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Do. 18 Jul. 2024
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„Mit Herz, Hand und Verstand“

Die Freie Veytalschule in Satzvey ist eine längst etablierte Waldorfschule und bereichert damit das Mechernicher Bildungsangebot – Vor acht Jahren gegründet, wächst die Schule jetzt in ihre Oberstufe hinein und freut sich schon auf mehr Platz im Nachbargebäude  

Mechernich-Satzvey – Die Holzhackschnitzel im grünen Klassenzimmer spielen später noch eine Rolle. Jetzt bereiten sie erst einmal den Boden für ein informatives Gespräch über die Freie Veytalschule Satzvey. Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Schuldezernent Ralf Claßen sind zu Gast. Sie haben auf den massiven Holzbänken unter dem sattgrünen Trompetenbaum ebenso Platz genommen, wie Michael Fingel, Angela Hoch, Elena Kramer und Marin Tolja, allesamt Vorstände des Trägervereins, sowie der Schulleiter René Komm und die Geschäftsführerin Svenja Spittmann.

„Es ist viel passiert in diesem Schuljahr und wir haben für die Zukunft noch viel vor“, leitetet Svenja Spittmann das Gespräch ein. Mit dem „viel passiert“ ist unter anderem auch das grüne Klassenzimmer gemeint, in dem die Runde an diesem schönen Sommerabend Platz genommen hat. „Die Kinder und ihre Klassenlehrerin hatten die Idee und haben sich komplett um die Umsetzung gekümmert – inklusive Finanzierung“, berichtet die Geschäftsführerin. Ein Projekt also, das wie selbstverständlich für das lebendige Lernen und die gelebte Gemeinschaft steht. Beides macht die Schulform und drückt sich im Schulslogan „Zusammen. Lebendig. Lernen.“ aus.

Gemeinschaft ist ohnehin ein gutes Stichwort. Denn die wird in der Freien Veytalschule ganz besonders gelebt. Im Unterricht sowieso, aber auch darüber hinaus. „Das Elternengagement ist ein wesentlicher Bestandteil des Schullebens“, betont Michael Fingel, der dann mit einem Lächeln hinzufügt: „Unengagiert ist hier definitiv niemand.“ Er und seine Vorstandskolleginnen und -kollegen, die kürzlich mit Marin Tolja, Elena Kramer, Angela Hoch, Sebastian Berger, Irina Enting und Arne Spitz für vier Jahre in den Trägerverein gewählt wurden, vielleicht nochmal ein Stückchen mehr. „Aber es macht einfach unheimlich viel Freude, die Zukunft der eigenen Kinder weiterzuentwickeln.“

Darum Waldorfschule
Warum die auf eine Waldorfschule gehen? „Weil es die passende Schulform für mein Kind ist“, lautet die einvernehmliche Antwort bei den Eltern. „Weil mein Kind gerne in der Natur und handwerklich aktiv ist und genau das hier gefördert wird“, geht Angela Hoch für ihr Kind ins Detail. Die musische Ausprägung komme noch hinzu und auch die durchgehende Beschulung von der ersten bis zur Abschlussklasse habe eine Rolle bei der Schulwahl gespielt.

Hier hakt Geschäftsführerin Svenja Spittmann ein. „Den Wechselstress von der Grund- auf eine weiterführende Schule gibt es bei uns eben nicht“, betont sie. Die Kinder würden ab der ersten Klasse zu einer Gemeinschaft heranwachsen, bis zur achten Klasse ohne Noten und ohne den Druck sitzenbleiben zu können und im Optimalfall die ganze Zeit über mit ein- und demselben Lehrer.

„So entstehen Freundschaften und ein unheimlich enger Klassenverbund“, sagt Michael Fingel. Ein weiterer Pluspunkt, den auch Elena Kramer unterstreicht: „Hier wird unheimlich viel Wert auf den Gemeinschaftssinn gelegt.“ Zudem werde an der Schule die Verbindung von Natur und Mensch und somit der Respekt vor den Lebewesen gelehrt und die intrinsische Motivation der Kinder gefördert, also die Motivation, die jedes Kind in sich trägt. „Hier darf jeder so sein, wie er ist“, nennt Elena Kramer einen ganz wichtigen Punkt für die Schulwahl.

Die natürlich auch bei den Lehrerinnen und Lehrern eine ganz bewusste Entscheidung ist. Auf die Frage nach dem Grund für seine Berufs- und Schulwahl, antwortet René Komm mit zwei sehr überzeugenden Worten: „Meine Tochter!“ Als damals die Schulwahl anstand, beschäftigte er sich intensiver mit der Pädagogik, studierte anschließend Waldorfpädagogik und ist nun seit elf Jahren im Beruf. „Obwohl wir natürlich einen staatlich anerkannten Lehrplan haben, können wir unseren Unterricht frei gestalten“, sagt René Komm, der seit einem Jahr Schulleiter der Veytalschule ist.

Fachhochschulreife möglich

Epochenunterricht ist das Stichwort, das nun eine Rolle spielt. Denn die Hauptfächer „Lesen, Schreiben, Rechnen“, werden über mehrere Wochen am Stück gelehrt. „Das schafft eine intensive Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und den Themen“, so René Komm, der mit dem gesamten Schulteam aktuell daran arbeitet, das Berufskolleg auf den Weg zu bringen.

Denn ab der 12. Klassen sollen die Schülerinnen und Schüler dort die Möglichkeit haben, in das Berufskolleg mit Schwerpunkt Gestaltung einzutreten und damit einen zweijährigen, berufsorientierten Weg zur Fachhochschulreife einzuschlagen. Neben Haupt- und Realschulabschluss bildet das die dritte Option für die Schülerinnen und Schüler.

Auch räumlich stehen einige Veränderungen an, denn die Freie Veytalschule wird weiter wachsen. Das soll in den benachbarten Räumen der Grundschule geschehen, wenn die in den Neubau in Firmenich eingezogen ist. Das alles lässt sich zusammenfassen zu dem „Wir haben für die Zukunft noch viel vor“ von Svenja Spittmann, die sich mit dem ganzen Team auf das Wachstum der Schule freut.

Das sieht auch Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick so, der sich in der damaligen Entscheidung, die Freie Veytalschule als Bereicherung für die Schullandschaft in Mechernich zu etablieren, bestätig sieht. „Hier ist eine sehr gute Schule herangewachsen“, sagt das Stadtoberhaupt: „Ich bin mir daher sicher, dass wir als Stadt auch weiter daran arbeiten werden, diese Schule weiterzuentwickeln.“

Starke Solidargemeinschaft

Wichtig ist ihm dabei zu betonen, dass hier keine elitäre Privatschule entstanden ist. „Ja, es gibt Schulgebühren“, sagt Svenja Spittmann. Die lägen aktuell bei einem Beitrag von 170 Euro pro Monat, führt Michael Fingel vom Trägerverein aus, um gleichzeitig zu betonen, dass auch hier der Solidargedanke gelebt wird. „Manche Eltern zahlen freiwillig mehr, manche weniger“, so Michael Fingel. Wichtig ist es dem gesamten Team, dass kein Kind aufgrund der Einkommensverhältnisse der Eltern vom Besuch der Schule ausgeschlossen wird. „In einem Finanzgespräch suchen wir gemeinsam nach Möglichkeiten“, heißt es dazu von der Schule.

Solidargemeinschaft, ist das Stichwort, das in diesem Zusammenhang immer wieder fällt. Eine, die den Schulslogan „Zusammen. Lebendig. Lernen.“ mit Leben erfüllt. Und auch das Thema Holzhackschnitzel hat ganz viel mit Solidarität und Eltern-Engagement zu tun. Denn als es mal wieder an der Zeit war, die Hackschnitzel in den Spielbereichen auszutauschen, war das mit vielen Händen schnell erledigt. „Auf einmal wurde hier ein riesiger Berg Material abgeladen, Arbeitsgerät und ein kleiner Radlader zum Verteilen noch mit dazu“, zeigt sich René Komm immer noch beeindruckt von dieser immer wieder gelebten, starken Gemeinschaft.

Als die Gruppe mit ihm, Svenja Spittmann, Michael Fingel, Angela Hoch, Elena Kramer, Marin Tolja, Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Schuldezernent Ralf Claßen schließlich das grüne Klassenzimmer verlässt und von den Holzhackschnitzeln auf den asphaltierten Weg wechselt, fasst Angela Hoch das Gespräch und die Seele der Freien Veytalschule Satzvey nochmal mit drei leicht abgewandelten Schlagworten aus der Waldorf-Pädagogik zusammen: „Das ist eine Schule mit Herz, Hand und Verstand.“

www.veytalschule.de

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