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„Wir hören zu und haben Zeit“

Begegnungstag der „Grünen Damen“ im Kreis Euskirchen: 25 Ehrenamtlerinnen am Kreiskrankenhaus und im Marien-Hospital brauchen dringend Verstärkung

Euskirchen/Mechernich/Schleiden/Zülpich – Sie sind ein hilfsbereiter Mensch, der gut zuhören kann, emphatisch ist und bereit, kleinere Besorgungen im Krankenhaus für Patienten zu erledigen? Sie haben zum Beispiel montags oder mittwochs vormittags Zeit? Oder auch erst nach Feierabend?

Sie wollen mehr über sich und andere erfahren, ihre Kommunikation verbessern? Sie sind sich bewusst, dass es sich um eine sinnvolle Tätigkeit, ein Ehrenamt und eine Gelegenheit handelt, Freude, Dankbarkeit und ein Lächeln geschenkt zu bekommen?

Schätzen Sie darüber hinaus ein solidarisches Team von anderen engagierten Leuten, mit denen Sie zusammenarbeiten, und die nicht nur für die Patienten an den Krankenhäusern im Kreis Euskirchen zur Verfügung stehen, sondern sich auch gegenseitig beistehen und unterstützen, wenn Not am Mann oder der Frau ist?

Dann sind Sie bei den „Grünen Damen“, dem Krankenhausbesuchs- und Hilfsdienst von Diakonie, Caritas und Rotem Kreuz, genau richtig und herzlich willkommen. Natürlich auch als Mann. „Und auch auf Probe“, so Diakon Walter Steinberger, „wenn man erst mal die Teams am Kreiskrankenhaus in Mechernich oder dem Marien-Hospital und ihre interessante Tätigkeit kennenlernen will.“

Frauen im grünen Kittel

Der Chef der Diakonie-Station Euskirchen hatte die „Grünen Damen“ gemeinsam mit Claudia Kaupel-Schleert vom Caritasverband und Patrick Dost vom Roten Kreuz zum jährlichen Begegnungstag im Rotkreuz-Zentrum Schleiden in vogelsang ip eingeladen. Ein Großteil der derzeit 25 tätigen Frauen kamen, die sich in der ökumenischen Krankenhaushilfe betätigen.

„Grüne Damen“ heißen sie wegen ihrer grünen Krankenhauskittel und weil es eben meistens „Damen“ und keine „Herren“ sind, was aber keineswegs so bleiben muss… 14 Teilnehmerinnen gehen ihrer menschenfreundlichen Tätigkeit in Euskirchen am Marien-Hospital nach, elf am Kreiskrankenhaus in Mechernich.

Die neunköpfige Zülpicher Gruppe hat seit Corona den Dienst eingestellt, für das Schleidener Antonius-Hospital sucht Ute Stolz (u.stolz@caritas-eifel.de Tel. 0 24 45/ 8507-0) vom Caritasverband in der Aachener Bistumsregion Schleiden dringend Interessenten/innen, die eine Gruppe „Grüner Damen“ neu aufbauen.

Die Euskirchener „Grünen Damen“, die montags und mittwochs vormittags ihren liebenswürdigen Dienst am Marien-Hospital versehen, sind über Christiane Beeger, Tel. (0160) 96 268 235, GrueneDamen.EU@web.de, erreichbar.

Verstärkung für die „Grünen Damen“ am Kreiskrankenhaus Mechernich kann sich bei der Klinik selbst, (Tel. (0 24 43) 170), oder bei Patrick Dost vom Roten Kreuz im Kreis Euskirchen melden, (0 22 51) 79 11 46, pdost@drk-eu.de. Er nimmt auch gerne Interessentenangebote für Zülpich entgegen. 

Diakon Walter Steinberger hatte zum Vogelsang-Treffen auch seinen katholischen Kollegen Manfred Lang eingeladen, um gemeinsam mit den Frauen zu überlegen, wie man das Ehrenamt in der Öffentlichkeit bekannter und attraktiver machen könnte, damit sich mehr Leute interessieren und melden. Die „Grünen Damen sind von Nachwuchssorgen geplagt.

„Viele haben völlig falsche Vorstellungen“, so Christiane Beeger. „Sie denken, dass wir auch bei der Pflege helfen, was wir aber ausdrücklich gar nicht dürfen und auch nicht tun“, erklärte Roswitha Schorn. „Andere sagen »Das könnte ich nicht« ohne näher zuzuhören, was wir eigentlich machen“, sagte Christa Palmen in der Runde. Waltraud Reidinger: „Andere sagen »Das finde ich aber toll, dass es sowas gibt«, denken aber nicht im Traum daran, selbst mitzumachen.“

„Ich war selbst lange krank“

Anita Berger und Edith Maus, die gerade frisch bei den „Grünen Damen“ angefangen haben, sagten, wie es bei ihnen war: Erstere war als junge Frau selbst oft krank und bekam Besuch und Unterstützung der „Grünen Damen“: „Da habe ich mir vorgenommen, wenn Du mal gesund wirst, dann machst Du das auch!“ Letztere war 17 Jahre in der Altenpflege tätig, und hat sich vorgenommen, in der Rente weiterhin ehrenamtlich Menschen Gutes zu tun.

Christiane Beeger konstatierte: „Wir müssen auch weitersagen, dass das eine absolut sinnstiftende Tätigkeit ist, und wir eine Menge Bereicherndes zurückbekommen.“ Romy Gräff: „Deshalb gehe ich so gerne ins Krankenhaus, weil die Patienten so dankbar sind. Ich habe auch einen pflegebedürftigen Mann zu Hause, der sagt aber nicht »Danke«…“ Auch Frieda Staggl geht gerne ins Krankenhaus: „Wenn ich jemanden zum Lachen bringe, dann ist mein Tag gerettet.“

Bereits vor dem Vogelsanger Begegnungstag hatte sich die Euskirchener Gruppe auf Vermittlung von Diakon Walter Steinberger, dem Chef der Diakonie-Station Euskirchen, getroffen. Tenor: Man hält trotz Corona und fortschreitendem Alter zusammen.

Monika Schlömer zum Beispiel ist seit der Gründung im Januar 1985 mit dabei, als Ingrid Witte vom Diakonischen Werk, Caritas-Geschäftsführer Bruno Grobelny und Sibylle Achenbach (Diakonie) die ökumenische Krankenhaushilfe am Marien-Hospital aus der Taufe hoben. „Wir lachen und weinen miteinander, setzen uns hin und reden zusammen“, sagte Beate Reiser über ihr „Berufungsbild“. Ursula Schlange: „Wir hören zu und haben Zeit!“

Die Euskirchener „Chefin“ Christiane Beeger lobt das „Superverhältnis“ zu den Krankenhausseelsorgern, Pfarrerin Sabine Hekmat, Gemeindereferentin Marion Petry und Pfarrer Michael Haupt: „Wenn ein Patient mehr an geistlicher Begleitung wünscht, sagen wir Bescheid und die Seelsorger gehen sofort hin…“

„Spazieren und kleine Besorgungen“

„Grüne Damen“ hätten aber nicht nur eine „Antenne“ für im weitesten Sinne spirituelle Bedürfnisse der Kranken, sondern auch für ganz profane Dinge. Sie besorgen Tickets für den Fernsehzugang oder stellen die Verbindung zu womöglich weit entfernten Familienangehörigen her, wenn alte Leute plötzlich und unerwartet ins Krankenhaus müssen und das Handy leer oder die Nummer verloren gegangen ist.

Die Krankenhaushelfer haben im Marien-Hospital ein eigenes Büro, werden auf den Stationen sehr freundlich und kollegial behandelt und haben einen anerkannten Status im Klinikgefüge. „Wir gehen mit den Patienten auch spazieren, machen kleinere Besorgungen im Krankenhaus-Kiosk oder in der Apotheke“, so Christiane Beeger. Empathie, Freude, für andere was zu tun und Zuverlässigkeit werden gebraucht.

Niemand werde ins kalte Wasser geworfen, es werde ein Einführungsgespräch geführt und es gebe ein Praktikum, während dem die Bewerberin oder der Bewerber erst mit einer anderen „Grüne Dame“ von Station zu Station zu den Patienten geht.

„Jede hat zwei Stationen, wir vertreten uns gegenseitig“, so Irna Mateuszek-Grünert: „Jede ist einmal die Woche dran.“ Kostenlose Fortbildungen werden meistens beim Caritas-Diözesanverband Köln wahrgenommen, auch Reisekosten werden erstattet.

Die „Grünen Damen“ am Marien-Hospital sind zwar ökumenisch und rekrutieren sich aus beiden christlichen Kirchen der Kreisstadt, gehören aber mit 142 anderen Gruppen als Organisation dem katholischen Bundesverband an.

Im Kreis Euskirchen werden die ökumenischen Krankenhaushelfer vom Diakonischen Werk, den beiden Caritasverbänden und dem Roten Kreuz beraten und begleitet, die beim Begegnungstag in Vogelsang durch Claudia Kaupel-Schleert vom Kreiscaritasverband, Patrick Dost vom Roten Kreuz und Diakon Walter Steinberger von der Diakonie die Leitung hatten.

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