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Fr. 27 Jan. 2023
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Aachen: Aktueller Wohnungsmarkt-Bericht 2022 liegt vor

Auf dem Aachener Wohnungsmarkt ist keine Entspannung in Sicht. Der aktuelle Wohnungsmarktbericht zeigt, dass sich Bauland, Wohneigentum und Mieten verteuerten und es vielen Aachener*innen erschweren, passende und trotzdem bezahlbare Wohnungen zu finden.

Die Erkenntnisse des Wohnungsmarktberichts eignen sich aufgrund der breiten Datenbasis als verlässliche Planungsgrundlage und dienen der Stadt als Basis zur Entwicklung integrierter Strategien und zur zielgerichteten Ausrichtung wohnungspolitischer Handlungsinstrumente.

Insbesondere die soziale Wohnraumversorgung steht in den kommenden Jahren vor zahlreichen Herausforderungen. Problematisch ist vor allem die fehlende Vorhersehbarkeit der weltpolitischen Entwicklung.

Die Klimakrise, die Covid 19-Pandemie, der demographische Wandel und der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine: mit Blick auf die weltpolitische Lage im Jahr 2022 sind die Herausforderungen, die eine sozialverträgliche, klimaschonende und bedarfsgerechte Wohnraumversorgung mit sich bringt, nicht weniger geworden. Entsprechend ist auch auf dem Aachener Wohnungsmarkt keine Entspannung in Sicht. Der aktuelle Wohnungsmarktbericht zeigt, dass sich Bauland, Wohneigentum und Mieten verteuerten und es vielen Aachener*innen erschweren, passende und trotzdem bezahlbare Wohnungen zu finden.

„Schwierig ist vor allem die fehlende Vorhersehbarkeit der weiteren weltpolitischen Entwicklung. Die Auswirkungen von Inflation und steigenden Nebenkosten, aber auch das Wachstum der Studierendenzahlen ist nicht gut kalkulierbar“, sagte Rolf Frankenberger, Leiter des städtischen Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration, jetzt in einem Pressegespräch zur Vorstellung des neuen Wohnungsmarktberichts, der später am Tag druckfrisch den Mitgliedern des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses präsentiert wurde.

Planungsgrundlage für verschiedene Wohnungsmarktakteur*innen

Regelmäßig analysiert der Wohnungsmarktbericht des Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration der Stadt Aachen auf breiter Datenbasis Trends und langfristige Entwicklungen auf dem Aachener Wohnungsmarkt. Seine Erkenntnisse eignen sich als verlässliche Planungsgrundlage und dienen der Stadt als Basis zur Entwicklung integrierter Strategien und zur zielgerichteten Ausrichtung wohnungspolitischer Handlungsinstrumente. Ein gutes Beispiel ist hier das Handlungskonzept Wohnen, das als wohnungspolitische Gesamtstrategie der Stadt Aachen in diesem Jahr vom Stadtrat beschlossen wurde. Derzeit befindet es sich in der Umsetzungsphase.

Insbesondere die Versorgung mit bezahlbaren Wohnungen, so der aktuelle Bericht, steht in den kommenden Jahren vor zahlreichen Herausforderungen – sei es die Verringerung des unteren Preissegments im freifinanzierten Wohnungsmarkt oder die hohe Anzahl an Wohnungen, die aus der Mietpreis- und Belegungsbindung fallen. Der sich bereits abzeichnende Trend von steigenden Baukosten erhielt durch die Energie- und Rohstoffkrise im Zuge des Krieges zusätzlichen Schub. Zugleich steigen die Finanzierungskosten für Bauvorhaben rasant an. Demzufolge ist bei Neubau- wie bei Bestandsmaßnahmen mit einem Rückgang der Bautätigkeit zu rechnen – es werden in den nächsten Jahren also auch in Aachen tendenziell weniger neu geschaffene Wohnungen auf den Wohnungsmarkt gelangen.

Vorzeigeprojekt Talbothöfe

Um dem entgegenzuwirken wird die Stadt Aachen nächstes Jahr eine Informationskampagne zur öffentlichen Wohnraumförderung auf den Weg bringen. Dabei sollen insbesondere potentielle Investor*innen von den attraktiven Förderkonditionen des Landes NRW und dem sozialen wie wirtschaftlichen Mehrwert dieses Wohnungssegments überzeugt werden. Aktuelle Bauvorhaben wie die Talbothöfe der gewoge AG überzeugen zudem mit städtebaulicher Attraktivität und sind exemplarisch für die positive Wirkung solcher Objekte ins umliegende Quartier.

Die so genannten Talbothöfe an der Jülicher Straße, wo in einer fast fertig gestellten Wohnung auch das Pressegespräch stattfand, sind ein wahres Vorzeigeprojekt. „Bis Mitte des laufenden Jahrzehnts schaffen wir hier rund 200 qualitativ sehr hochwertige Wohnungen für insgesamt mindestens 500 Menschen“, erklärte Ulrich Warner, Vorstand der gewoge AG, und ergänzt: „Ungefähr 75 Prozent davon sind öffentlich geförderter Wohnungsbau.  Die verschiedenen Wohnformen berücksichtigen die unterschiedlichen Facetten der Bewohnerschaft. Mit diesem Wohnprojekt ist der Wunsch verbunden, das Viertel nachhaltig zu entwickeln und familienfreundliches Wohnen mit demographischem Wandel zu vereinbaren“.

In Aachen leben, arbeiten und studieren viele Menschen aus der ganzen Welt. Die Wohnungsnachfrage wird vielfältiger und herausfordernder; die Bevölkerung entwickelt sich dabei räumlich stark differenziert: „Das Zentrum Aachens wird jünger und gewinnt an Bevölkerung, die äußeren Bezirke hingegen verlieren leicht an Bevölkerung und werden älter. Hier sind auf die jeweiligen

Quartiere zugeschnittene zukunftsgerichtete Entwicklungskonzepte nötig um bezahlbare, bedarfsgerechte und klimaneutrale Wohn- und Lebensstrukturen zu schaffen“, betonte Bürgermeister Norbert Plum, gleichzeitig Vorsitzender des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses.  

Gemeinsame grenzüberschreitende Strategie

Analog dazu richtet die Stadt bei der Wohnraumentwicklung ihren Blick auf die umliegenden, auch auf die eu-regionalen Kommunen. Carina Begaß, Leiterin der Abteilung „Planung“ im Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration: „Es ist deutlich, dass die Stadt Aachen ihren Wohnbedarf nicht mehr allein decken kann. Einige Nachbarkommunen sind bereit, Wohnraum zu bauen, um den Bedarf aus Aachen zu decken. Eine gemeinsame grenzüberschreitende Strategie birgt daher viele Chancen für die soziale Wohnraumversorgung sowie die Siedlungs- und Mobiliätsplanung.“

Doch auch innerhalb des Stadtgebietes von Aachen liegen noch unerschlossene Wohnraumressourcen. Die erstmals kleinräumig durchgeführte Analyse der Wohnungsleerstandszahlen konnte ein signifikantes Reaktivierungspotential in einigen Quartieren identifizieren. Die Analyse bildet die Grundlage für eine noch weiter auszuarbeitende städtische Gesamtstrategie zum Wohnungsleerstand. Diese könnte es der Stadt erleichtern, nicht genutzten Wohnraum wieder dem aktiven Wohnungsmarkt zuzuführen. Carina Begaß: „Die Analyse zeigt unter anderem, wo es die meisten Leerstände gibt. Einige Teilräume lagen auf der Hand, andere haben uns überrascht.“

Wohnungsmarktbericht 2022

Eine gedruckte Ausgabe des Wohnungsmarktberichts 2022 kann beim Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration der Stadt Aachen unter der Telefonnummer 0241/432-56306 oder der Mail-Adresse komwob@mail.aachen.de  angefordert werden. Im Internet ist der Wohnungsmarktbericht unter www.aachen.de/wohnungsmarktbericht  zu finden.

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