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„Meet Europe“ im malerischen Maastricht

Von Nina Krüsmann

Die älteste Stadt der Niederlande besitzt eine große Anziehungskraft auf Tagesausflügler und Menschen, die Genuss in jeder Hinsicht erleben möchten. Das internationale Flair mischt sich an milden Frühlingstagen in Richtung Sommer mit einem geradezu mediterranen Ambiente in den Gassen und auf den großen Plätzen. Nicht umsonst lautet der Werbespruch des Maastrichter Tourismusbüros „Meet Europe“. Die Stadt wird gerne als „kulinarische Hauptstadt der Niederlande“ und „Europas kleinste Metropole“ bezeichnet.

Diese Beliebtheit verdankt die Stadt ihrer wunderbaren Lage am namensgebenden Fluss Maas, den vielen beeindruckenden Sehenswürdigkeiten, dem abwechslungsreichen und hochwertigen Einkaufsangebot, den gemütlichen Terrassen, Theatern und Museen, Restaurants und Cafés, schönen Plätzen und Parks und nicht zuletzt der Gastfreundlichkeit ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Auch Bildung und Kultur kommen nicht zu kurz, denn die Stadt kandidierte sogar für den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2018 und hat durch ihre Universität einen großen Anteil internationaler Studierenden. Am Königstag, 27. April, färbt sich Maastricht orange – 2022 feierte König Willem-Alexander seinen 55. Geburtstag sogar vor Ort und ließ sich von Tausenden bejubeln.

Modefans kommen beim Shopping entlang der Stokstraat auf ihre Kosten. Hier befinden sich einige der schönsten Boutiquen und beim Schaufensterbummel erblickt man sofort die neuesten Trends der internationalen Designer. Das Mosae Forum ist ein neues Shoppingviertel zwischen Marktplatz und Maas. Das Rathaus am Markt ist ein beeindruckendes Gebäude mit einem großen Belfried, einem hohen, schlanken Glockenturm. Ringsum erlebt man pures Markttreiben, kann Käse, frischen Backfisch und Waffeln kosten.

Maastricht ist die Hauptstadt der Provinz Limburg und liegt im äußersten Südosten der Niederlande im Dreiländereck zwischen Belgien und Deutschland an beiden Seiten der Maas. Bereits etwa 500 v. Chr. gab es hier eine keltische Siedlung an einer querbaren Stelle des Flusses. Der Name der Stadt rührt von der lateinischen Bezeichnung „Mosae Traiectum“, zu Deutsch „Maasübergang“ her. Die entsprechende Brücke, welche den Fluss quert, wurde unter Kaiser Augustus von den Römern errichtet. Die Brücke bildete die Ausgangsbasis für eine erste römische Handelsniederlassung. Später wurde hier ein Kastell errichtet. Die Überfälle durch Germanenstämme waren wahrscheinlich auch der Grund, der den Bischof von Tongeren, Servatius, dazu bewog, seinen Sitz nach Maastricht zu verlegen. In der Sicherheit des befestigten Kastells gründete er eine christliche Gemeinschaft. Servatius ist bis heute der Schutzpatron der überwiegend katholischen Stadt. Im 13. Jahrhundert folgte die erste Stadtumwallung, nachdem Herzog Heinrich I. von Brabant Maastricht das Stadtrecht verliehen hatte. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die 160 Meter lange Sankt-Servatius-Brücke gebaut, die damals der nördlichste Übergang über die Maas war. Heute noch verbindet sie Maastricht mit dem rechtsseitigen Stadtteil Wyck. 1992 wurde im „Gouvernement“, dem Sitz der Provinzialregierung, der Vertrag von Maastricht unterzeichnet, der zur Gründung der Europäischen Union führte.

Walzerkönig kommt ins „Open-Air-Wohnzimmer“

Bereits der Bahnhof ist für Reisende die erste Sehenswürdigkeit. Wissenswertes für einen Aufenthalt erfahren Besucherinnen und Besucher im Dinghuis, einem mittelalterlichen Gerichtsgebäude, das heute die Touristinfo beherbergt. Einer der bekanntesten Söhne der Stadt ist der Stargeiger André Rieu. Jeden Sommer veranstaltet er mit seinem Orchester eine Konzertreihe auf dem Vrijthof, dem zentralen Platz in der Innenstadt. Die Reihe auf dem „Open-Air-Wohnzimmer“ findet diesmal vom 3. bis 20. Juli

statt. Der Name „Vrijthof“ stammt aus dem Mittelalter und bezeichnet den Vorhof, oder den Platz rund um eine Kirche. In diesem Fall ist es der Kirchhof der Sankt-Servatius-Basilika. Neben der Kirche sieht man auch die Sint-Janskerk, das Theater am Vrijthof, die ehemalige Hauptwache des Militärs und die spanische Botschaft. Rund um den Platz sind viele Cafés und Restaurants ansässig. Wer beim Stadtbummel Lust auf eine kleine Stärkung verspürt, kann sich hier gemütlich niederlassen oder – typisch niederländisch – eine der zahllosen Fritüren ansteuern. Eine Portion Bitterballen mit Senf, also typisch niederländische Fleischkroketten, schmeckt zum Bier oder Aperitif.

Die am Vrijthof gelegene „Sankt-Servatius-Basilika“ ist eine Kreuzkirche mit drei Türmen, die auf dem Grab von St. Servatius errichtet wurde. Zum größten Teil im romanischen Stil erbaut, wurden für die Kirche hauptsächlich Kohlensandstein und Mergel verwendet. Die unweit gelegene „Unsere liebe Frauenbasilika” aus dem 5. Jahrhundert ist die älteste Kirche Maastrichts. Sehenswert ist aber auch folgendes Kuriosum: In der Dominicanerkerkstraat 1 nahe des Vrijthofs steht eine Dominikaner Kirche. Bereits vor rund 200 Jahren hat diese Kirche ihre sakrale Funktion verloren. Seitdem diente sie als Festsaal, Karnevalstempel oder als Fahrradkeller. 2006 zog die Buchhandlung Selexyz in das historische Gebäude, im ehemaligen Chorraum befindet sich nun ein Café.

Kulinarik im Kloster

Exklusiv speisen und auch übernachten kann man im Kruisherrenhotel in einem renovierten gotischen Kloster. Zusammen mit der monumentalen gotischen Kirche wurde dieser Gebäudekomplex in ein Designhotel verwandelt. Die Einrichtung ist eine Schöpfung des international renommierten Innenarchitekten Henk Vos in Zusammenarbeit mit internationalen Designern wie Philip Starck, Le Corbusier und Ingo Maurer. Die architektonischen Kontraste zwischen Vergangenheit und Gegenwart werden im gesamten Hotel lebendig. Ein Erlebnis ist auf jeden Fall die Weinbar Rouge & Blanc im ehemaligen Altarraum der Klosterkirche.

Maastricht ist seit dem 19. Jahrhundert das Zentrum der Keramikindustrie der Niederlande. Das riesige Industriegelände „Céramique“ an der Maas nahe dem Stadtkern wurde in den 80er Jahren von den Keramikwerken geräumt und ist jetzt ein gediegenes Wohn- und Geschäftsviertel. An der Maas südlich von Maastricht steht zudem die größte Zementfabrik der Niederlande. Deren Rohstoff ist der Mergelstein, der im Sint-Pietersberg abgebaut wird. Hier befinden sich auch das Fort Sint Pieter und die Grotten von Sint Pieter. Letztere sind durch den Abbau von Mergel in Maastrichts Untergrund entstanden. Mit der Zeit ergab sich dadurch ein Labyrinth aus mehr als 20.000 Gängen. Eine Führung durch den Untergrund, der in Kriegszeiten als Versteck diente, dauert 60 Minuten.

Viele weitere Orte lohnen einen Abstecher: Zwischen 1575 und 1825 ist an der westlichen Seite von Maastricht ein Netzwerk von Gängen und Mienen entstanden. Über 14 Kilometer erstrecken sich fachkundig ausgehöhlt und gemauerte Kugelgewölbe, imponierende Schutzräume, Pulverkammern, Treppen und Galerien. Führungen durch die Kasematten starten vom Eingang an der Waldeckbastion, nahe des „Tongerseplein“ in Maastricht. „Helpoort“, das Höllentor, ist ein um 1230 mit der ersten Stadterweiterung erbautes mittelalterliches Stadttor und war bis um 1516 Teil der Verteidigungsanlage. Durch die dritte Stadterweiterung im Süden der Stadt ist es heute funktionslos, aber der Niederlande ältestes Stadttor und Maastrichts einziges, noch bestehendes Tor. Die Bischofsmühle im Herzen der Stadt gilt als älteste Wassermühle der Niederlande, die noch immer in Betrieb ist. Erbaut zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert mahlt die „Bisschopsmolen“ an der Stenenbrug 1 noch immer Korn zu Mehl. Kunstinteressierte zieht es derweil ins Bonnefantenmuseum. Auf rund 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gibt es historische wie auch moderne Kunst.

An der Maaspromenade kann man zu einer Schiffrundfahrt starten. Die fünf Fahrgastschiffe der Rederij Stiphout befahren täglich die Maas und den Albertkanal. Es gibt eine 50-minütige Schnuppertour und große Fahrten zum Beispiel bis Lüttich. Mit der globalen Kunst- und Antiquitätenmesse TEFAF, auf der rund 250 international renommierte Aussteller Exponate von der Antike bis zur Klassischen Moderne präsentieren, hat Maastricht jedes Frühjahr einen großen Anziehungspunkt. Die TEFAF gilt als „Kaufhaus der Superreichen“ und als das weltbeste käufliche Museum auf Zeit. Magische Momente garantiert Maastricht also in jeder Beziehung!

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