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Di. 21 Mai. 2024
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Von Ferienruhe keine Spur

In vielen Aachener Schulen haben Handwerker die Regie übernommen

Die Sanierungsmaßnahmen im Kaiser-Karls-Gymnasium

Im oberen Stockwerk läuft das Radio, im Geschoss darunter brummt die Baustelle: Auch in den Ferien wird in den Aachener Schulen gearbeitet. Zug um Zug, Geschoss um Geschoss arbeiten die Handwerker im Rahmen des Aachener Schulreparaturprogramms daran, die alten Brandschutzelemente aus den 1970er Jahren durch neue, feuerfeste Türelemente zu ersetzen.

Damit im denkmalgeschützten Kaiser-Karls-Gymnasium weiterhin modernste Brandschutzstandards gewährleistet sind, müssen alte Brandschutzelemente weichen. Spezialfachkräften arbeiten mit Masken, Brillen und Schutzanzügen am Rückbau der alten Türen, in denen noch Asbestbestandteile verbaut sind. Dazu werden Teile der Baustelle abgekapselt, rein und raus geht es nur durch eine Schleuse.

Weil die neuen Elemente denkmalgerecht als Bogenfenster mit Holzelementen eingebaut werden, ist die Herstellung aufwendig. Nach den Ferien soll alles fertig sein. Ein anspruchsvoller Zeitplan. Ein weiterer Unterschied zu den alten Türen: Die neuen Brandschutzelemente sind mit Tür-Feststellern versehen. „Die Türen können dann geöffnet bleiben. Das ist bequemer und die ausgetauschte Beleuchtung lässt den alten Flur in neuem Glanz erstrahlen“, kommentiert Luisa Strehl, als Objektmanagerin im städtischen Gebäudemanagement zuständig für das Kaiser-Karl, die Veränderung im Schulflur.

Logistische und technische Herausforderungen

So wie im Kaiser-Karls-Gymnasium sieht es zu Ferienzeit häufig auch in anderen Aachener Schulen aus. Bei Schulgebäuden handelt es sich nach dem Bauordnungsrecht um sogenannte „Große Sonderbauten“. Das heißt, dass es besondere Anforderungen an die Sicherheit der Gebäude und der Gebäudetechnik gibt. Die Art sowie die Größe und die Höhe der Bauten spielt bei der Einstufung eine Rolle. Umgebaut und saniert wird, wenn möglich, innerhalb der Ferien, damit Lehrkräfte und Schüler*innen danach wieder ohne Einschränkungen das Schulleben beginnen können.

Bei großen Neu- und Erweiterungsmaßnahmen muss der Betrieb manchmal räumlich ausgelagert werden. Dann nutzen die Schulen Interimsbauten wie Container als Ausweichmöglichkeiten. „Bei mehrjährigen Neu- und Erweiterungsbaumaßnahmen ist es schwer, Kostenentwicklungen und die genaue Umsetzungsdauer abzusehen. Es gibt immer Vergaberisiken. Wenn wir einen Auftrag nicht platzieren können, wenn von den Firmen keine Angebote oder zu teure Angebote abgegeben werden, muss die Maßnahme verschoben werden“, weiß Stephan Ganser, Leiter „Objektmanagement schulische Gebäude“. Bei der Kalkulation werden eventuelle Kostenentwicklungen, zum Beispiel die Inflation, berücksichtigt. Nur wenn sich eine Maßnahme verschiebt, kommt es in der Regel zur Nachfinanzierung.

Prioritäten der Schulverwaltung

2003 ging das Aachener Schulreparaturprogramm an den Start. „Das Ziel des Programms war es, den Instandsetzungsstau zu beheben“, erklärt Ganser. Seitdem wurden allein über das Schulreparaturprogramm mehr als 58 Millionen Euro investiert.

Mit dem jährlichen Volumen von rund vier Millionen Euro führt die Verwaltung im Rahmen des Schulreparaturprogramms in erster Linie notwendige Bauunterhaltungsmaßnahmen und kleinere Sanierungsmaßnahmen durch. „Wir schauen immer, wo am dringendsten gehandelt werden muss und erledigen so viel wir können“, betont Stephan Ganser.

„Unsere drei Haupthemen sind aktuell die Offenen Ganztagsschulen, G9 und die Modernisierung alter Gebäude, die wunderschön, aber baulich eine Herausforderung sind“, erläutert André Kaldenbach, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule.

Um die bis 2026 gesetzlich vorgegebenen, zusätzlichen Plätze an den Gymnasien zu schaffen, haben die G9-Baumaßnahmen weiterhin absolute Priorität. Aktuell sind davon die Gymnasien Couven, Rhein-Maas, Inda und St. Leonhard betroffen.

Neue Herausforderung

Neue Herausforderung erwarten die Stadt Aachen auch durch die offenen Ganztagsschulen (OGS). Ab dem Jahr 2026 haben alle Eltern Anspruch auf die ganztägige Förderung von Grundschulkindern. „Bald werden wir fast alle Kinder den ganzen Tag in der Grundschule haben. Darauf müssen die Schulen vorbereitet sein, sowohl in der Mensasituation als auch in der Betreuungssituation“, stellt André Kaldenbach fest. Damit die Anforderungen erfüllt werden, braucht es zusätzliche Räumlichkeiten. Unter anderem müssen auch Verwaltungs- und andere Räume an die neue Situation angepasst werden. Dafür finden weiterhin Planungen für Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen an sieben Grundschulen statt: Montessori-Grundschule an der Mataréstraße, an den Gemeinschaftsgrundschulen Richterich und Am Höfling sowie an den katholischen Grundschulen Am Römerhof, Auf der Hörn, Beeck- und Luisenstraße.

Energetische Sanierungen

Aktuell stehen auch noch energetische Sanierungen der Gebäudehüllen am Inda-, dem Einhard Gymnasium, dem Schulzentrum Laurensberg sowie die Fassaden- und Dachsanierung des Kaiser-Karl-Gymnasiums an. Die Sanierung und Erweiterung der Montessori-Grundschule Eilendorf gehört ebenfalls zu den großen aktuellen Projekten.

Die Gemeinschaftsgrundschule Michaelsbergstraße zieht im kommenden Sommer in das Gebäude der geschlossenen Hauptschule Burtscheid. Seit diesem Sommer werden die Räume dort für die neue Schule fit gemacht.

Zusammenfassend werden gerade 17 größere Baumaßnahmen an Schulen in vorbereitet, geplant oder durchgeführt. Das Gesamtvolumen der Maßnahmen umfasst nach aktuellem Stand rund 122 Millionen Euro zuzüglich des Schulreparaturprogramms. Welche Maßnahmen nötig sind, entscheidet das Gebäudemanagement der Stadt Aachen in Abstimmung mit dem Fachbereich Kinder, Jugend und Schule sowie der Politik.

Allgemeine Kennzahlen

Im Schuljahr 2022/2023 besuchten insgesamt 34.875 Schüler*innen Schulen in der Stadt Aachen. Davon waren 20.706 Schüler*innen an Schulen in städtischer Trägerschaft. Zum aktuellen Schuljahr 2023/2024 belaufen sich die Zahlen der städtischen Schulen auf acht Gymnasien, vier Gesamt-, drei Real-, zwei Haupt-, drei Förder- und sechsunddreißig Grundschulen – zuzüglich des Teilstandorts Horbach.

Für Ganser ist klar, dass die Verwaltung bei der Instandhaltung der Schulgebäude auch zukünftig am Ball bleiben muss: „Was die Schulgebäude angeht, können wir nicht nichts tun. Mit Blick auf die Zukunft müssen wir weiterhin daran arbeiten.“

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