Die Wirtschaft in der Region Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg kommt nicht in Fahrt – der von der Bundesregierung, führenden deutschen Instituten und dem Internationalen Währungsfonds erwartete verhaltene Aufschwung lässt weiterhin auf sich warten. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK Aachen, in der 26 Prozent der regionalen Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Geschäftslage als gut, 25 Prozent als schlecht bewerten. Der Lagesaldo liegt somit bei nur +1 Punkt und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert von +21,3 Punkten. Auch der Blick nach vorn bleibt verhalten: Der Erwartungssaldo sinkt sogar leicht auf -3 Punkte. Damit überwiegen seit mehr als vier Jahren die pessimistischen Erwartungen.
„Die Lage ist ernst. Unsere Unternehmen brauchen eine verlässliche Politik, die kurzfristig wirtschaftliche Impulse für eine langfristige Erholung setzt, für bürokratische Entlastung sorgt und Planungssicherheit schafft“, fordert Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. „Weniger Bürokratie bedeutet schnellere Entscheidungen und Investitionen sowie geringere Kosten. Mit wirksamen Weichenstellungen kann Vertrauen in die Politik und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes wiedergewonnen werden.“
Internationale Wettbewerbsfähigkeit unter Druck
Für exportierende Unternehmen haben sich die Rahmenbedingungen im laufenden Jahr weiter verschärft. Geopolitische Konflikte, Zölle und belastete Lieferketten beeinträchtigen die Planbarkeit. In der Industrie sind die Auslandsumsätze daher weiter rückläufig: 37 Prozent der Befragten melden sinkende Auslandsumsätze, 28 Prozent steigende. Der Saldo hat sich zwar von -28 auf -9 Punkte verbessert, die Auftragseingänge aus dem Ausland entwickeln sich aber überwiegend rückläufig.
Stefanie Peters, Vizepräsidentin der IHK Aachen, ordnet die Entwicklung ein: „Als Familienunternehmen denken und investieren wir langfristig. Dafür brauchen wir faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche Regeln. Auf viele geopolitische Kriege haben wir keinen Einfluss, aber von der Politik erwarten wir jetzt Unterstützung. Wenn sich Kosten, Vorgaben und politische Rahmenbedingungen ständig verändern, wird es schwieriger, international wettbewerbsfähig zu bleiben und Investitionen am Standort zu verantworten.“
Regionale Wirtschaft kämpft mit Bürokratie
Besonders deutlich kritisieren die Unternehmerinnen und Unternehmer den bürokratischen Aufwand. Auf die Frage, mit welchen Risiken Unternehmen akut zu kämpfen haben, antwortet jeder zweite Befragte: mit zu viel Bürokratie und Regulierungen. In den Rückmeldungen an die IHK Aachen berichten Mitglieder von aufwendigen Vorgaben, Genehmigungen und Berichtspflichten, die Zeit und Personal binden.
„Bürokratie ist für uns keine abstrakte Debatte. Sie bedeutet konkret zusätzliche Arbeit, lange Verfahren und gebundene Kapazitäten“, betont Peters. „Wir brauchen deshalb Regeln, die klar und umsetzbar sind – und Verfahren, die Unternehmen nicht davon abhalten, sich um ihre Kunden, Produkte und Beschäftigten zu kümmern.“
Die IHK Aachen fordert seit langem einen spürbaren Abbau bürokratischer Belastungen, verlässliche und einfach umsetzbare Regeln sowie wirksame Weichenstellungen in der Energie- und Steuerpolitik. Darüber hinaus fordert Bayer: „Die von der Politik angekündigten öffentlichen Investitionen in unsere Infrastruktur müssen vor Ort schneller Wirkung entfalten, damit unsere Wirtschaft endlich wieder Fahrt aufnehmen kann.“
Regionale Konjunktur zeigt ein gemischtes Bild
Die wirtschaftliche Entwicklung im Bezirk der IHK Aachen fällt regional unterschiedlich aus. Die Stadt Aachen ist die einzige Teilregion mit einer klar positiven Geschäftslage und optimistischen Erwartungen. In den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg liegen die Lagesalden hingegen nahe der Nulllinie. Und in der übrigen Städteregion Aachen bleibt die Geschäftslage sogar überwiegend negativ.
Auch zwischen den Branchen zeigen sich Unterschiede: Während Dienstleister eine positive Geschäftslage melden, bleibt die Stimmung im Handel angespannt. In der Industrie zeigt sich eine leichte Verbesserung, eine breite Erholung ist jedoch nach wie vor nicht erkennbar. Im Baugewerbe ist die Lage weiterhin positiv, verliert aber sehr deutlich an Kraft; zugleich bleiben die Erwartungen in der Branche niedrig.
Geschäftslage und Erwartung in den Teilregionen
Stadt Aachen
Die Geschäftslage in der Stadt Aachen bleibt positiv. 32 Prozent der Befragten bewerten sie als gut, 15 Prozent als schlecht. Der Lagesaldo verbesserte sich seit Jahresbeginn um +6 Punkte auf +17. Auch die Erwartungen sind leicht positiv: 19 Prozent rechnen mit besseren, 15 Prozent mit schlechteren Geschäften. Der Erwartungssaldo steigt um +3 Punkte auf +4. Die Stadt Aachen ist damit die einzige Teilregion mit einer klar positiven Geschäftslage und positiven Erwartungen. Beide Salden sind seit Jahresbeginn gestiegen.
Übrige Städteregion Aachen
Im ehemaligen Kreis Aachen bleibt die Geschäftslage überwiegend negativ. 18 Prozent der Befragten bewerten sie als gut, 32 Prozent als schlecht. Der Lagesaldo steigt leicht um +3 Punkte auf -14. Die Erwartungen sind ausgeglichen: Je 20 Prozent rechnen mit einer Verbesserung beziehungsweise Verschlechterung; der Erwartungssaldo liegt weiter bei 0.
Im Kreis Düren bleibt die Geschäftslage knapp negativ. 27 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer sind zufrieden, 30 Prozent unzufrieden; der Saldo liegt unverändert bei -3. Auch die Erwartungen bleiben verhalten: 18 Prozent rechnen mit einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, 22 Prozent mit einer Verschlechterung. Der Erwartungssaldo verbessert sich um +3 Punkte auf -4.
Kreis Euskirchen
Im Kreis Euskirchen ist die Geschäftslage ausgeglichen. Je 19 Prozent der Befragten melden gute beziehungsweise schlechte Geschäfte. Der Saldo wächst um +12 Punkte auf 0. Der Ausblick hat sich hingegen deutlich eingetrübt: Nur noch 18 Prozent erwarten eine Verbesserung, 31 Prozent eine Verschlechterung. Der Erwartungssaldo sinkt somit um -18 Punkte auf -13.
Im Kreis Heinsberg hat sich die Geschäftslage leicht verschlechtert. 30 Prozent melden schlechte, 28 Prozent gute Geschäfte. Der Lagesaldo sinkt um -5 Punkte auf −2. Auch die Erwartungen trüben sich ein: Nur noch 20 Prozent der Befragten gehen von einer positiven Entwicklung in den kommenden Monaten aus, 25 Prozent erwarten einen Rückgang ihrer Geschäfte. Der Saldo geht um -9 auf -5 Punkte zurück.

