Am 23. November 1900 beschloss die Aachener Stadtverordnetenversammlung auf Antrag des Oberbürgermeisters Philipp Veltman die Einrichtung eines städtischen statistischen Amtes. Am 1. August 1901 nahm es unter Leitung von Dr. Max Mendelsohn, zuvor Assistent an der Handelskammer, seine Arbeit auf. Im Jahr 2026 feiert die Statistikstelle der Stadt Aachen also ihr 125-jähriges Bestehen.
Die Gründung entsprang einem wachsenden Bedürfnis: Die Verwaltung einer rasch wachsenden Stadt brauchte verlässliche Zahlen. Das neue Amt sammelte und bearbeitete das gesamte statistische Material der Stadt, führte die Schöffen- und Wahllisten und stellte den Verwaltungsbericht zusammen.
Statistische Monatsberichte
Ab 1902 erschienen regelmäßig statistische Monatsberichte. Sie dokumentierten den Puls der Stadt: Bevölkerungsstand und -bewegung, Sterblichkeit und Todesursachen, Zu- und Abwanderung, Fremdenverkehr, Armenunterstützung, die Lage des Arbeitsmarktes, Vieh- und Fleischpreise, die Nutzung der Krankenhäuser, Theaterbesuche, die Bautätigkeit sowie den Besuch von Museum, Stadtbibliothek und Volksbädern. Sogar das meteorologische Observatorium steuerte seine Beobachtungen bei.
Besonders modern war der Aufbau einer Arbeiterstatistik: Aus den An- und Abmeldungen der Krankenkassen ließ sich der Beschäftigungsgrad einzelner Gewerbe ablesen. Es diente als eine Art Frühwarnsystem für Arbeitslosigkeit. Allein die erste große Aufnahme umfasste rund 35.000 Zählkarten und 3.070 Arbeitgeber.
Große Aufgaben mit kleinem Team
Auch große Zählungen fielen in die Anfangsjahre: Viehzählungen 1902 und 1904, die Volkszählung 1905, verbunden mit einer Wohnungszählung. 1904 übernahm das Amt zusätzlich die Rathausbibliothek.
Das Personal blieb überschaubar: ein Direktor, ein Sekretär und je nach Umfang der anstehenden Aufgaben fünf bis zwölf Hilfskräfte. Ab 1903 befand sich das Statistische Amt im eingeweihten Verwaltungsneubau des Aachener Architekten Friedrich Pützer an der Klostergasse (heute: Johannes-Paul-II-Str.), das schon damals über eine Brücke mit dem Rathaus verbunden war.
Die Statistikstelle heute
Aus bescheidenen Anfängen mit Zählkarten und Federhalter ist eine moderne Statistikstelle geworden, die bis heute Stadtverwaltung, Bürgerinnen und Bürger, die Politik, die Wirtschaft und Wissenschaft mit verlässlichen Daten versorgt. Das Spektrum reicht von der detaillierten Analyse der Bevölkerungsentwicklung bis hin zur Bevölkerungsvorausberechnung. Kontinuierlich wird die Entwicklung der Bautätigkeit, der Arbeitslosen- und Beschäftigungszahlen, Schülerzahlen sowie viele weiterer Themenbereiche – auch in Kooperation mit anderen Abteilungen der Stadtverwaltung – analysiert und visualisiert. Zahlreiche jährlich erstellte Auswertungen und Veröffentlichungen dienen innerhalb und außerhalb der Verwaltung maßgeblich als Planungs- oder Entscheidungsgrundlage.
125 Jahre – eine Reise durch die Statistik
Das Jubiläumsjahr feiert das Team der Statistikstelle – ganz im Sinne seiner Aufgabe – mit einer Reise durch viele interessante und kuriose Zahlen, Daten und Fakten der Kaiserstadt. Von der Bevölkerungsentwicklung über Flächenveränderungen bis hin zu den Zuschauerzahlen bei Alemannia-Heimspielen. Bis zum August 2027 veröffentlicht die Stadt Aachen in regelmäßigen Abständen weitere Teile dieser Reihe auf aachen.de/statistik.

