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125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Richterich

Eine Geschichte voller Einsatz und Gemeinschaft

Wenn in Richterich die Sirene ertönt, zählt jede Minute. Menschen lassen alles stehen und liegen, ziehen ihre Einsatzkleidung an und machen sich auf den Weg. Was für die Bevölkerung oft nur wenige Minuten sichtbar ist, basiert auf Ausbildung, Übung, Organisation und einem außergewöhnlichen Maß an persönlicher Bereitschaft. Seit 125 Jahren steht die Freiwillige Feuerwehr in Richterich für genau diese Bereitschaft: für Menschen da zu sein, wenn Hilfe gebraucht wird.

Am 1. April 1901 wurde die Freiwillige Feuerwehr Richterich offiziell gegründet. Ihre Wurzeln reichen allerdings noch weiter zurück. Bereits im 19. Jahrhundert beschäftigten sich die Menschen im damaligen Heyder Ländchen mit organisiertem Brandschutz. Schon 1818 wurde der Aufbau eines wirksamen Feuerschutzes gefordert. Es entstanden zunächst sogenannte Pflichtfeuerwehren. 1845 wurde zudem ein Zuschuss für den Bau einer Garage für Feuerlöschgeräte in Richterich bewilligt. Die technischen Möglichkeiten waren mit heutigen Verhältnissen kaum vergleichbar: Pumpen, Leitern und Schläuche mussten zunächst mit Pferdewagen zur Einsatzstelle gebracht werden.

Die folgenden Jahrzehnte waren von Veränderungen und großen Herausforderungen geprägt. Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Feuerwehr neu aufgebaut werden. Während des Zweiten Weltkriegs verschärfte sich die Situation dramatisch. Viele Feuerwehrleute wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Diejenigen, die vor Ort blieben, mussten den Brandschutz unter schwierigsten Bedingungen aufrechterhalten. Mehrere Kameraden kamen bei Löscharbeiten oder infolge von Luftangriffen ums Leben. Auch die technische Ausstattung entwickelte sich unter diesen Bedingungen nur langsam weiter.

Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. 1952 konnte ein Fahrzeug aus Restbeständen des Militärs und der Feuerschutzpolizei beschafft und zu einem LF 8 leicht umgebaut werden. Die Bevölkerung beteiligte sich mit Spenden an seiner Ausstattung. 1955 entstand an der damaligen Grünenthaler Straße ein neues Feuerwehrgerätehaus. Zwei Jahre später folgte ein LF 16 mit 800-Liter-Wassertank und weiterer technischer Ausrüstung. Damit wurde deutlich: Die Feuerwehr musste sich nicht nur organisatorisch, sondern auch technisch ständig weiterentwickeln.

Eine besondere Zäsur brachte die kommunale Neugliederung von 1972. Richterich wurde Teil der Stadt Aachen, und auch die Feuerwehr verlor ihre bisherige Eigenständigkeit. Die Veränderungen führten zunächst dazu, dass mehrere Mitglieder die Feuerwehr verließen. Die aktive Mannschaft schrumpfte zeitweise auf 14 Mitglieder. Doch die Verantwortlichen ließen sich davon nicht entmutigen. Mit intensiver Mitgliederwerbung in Richterich, Horbach, Bank, Uersfeld und Huf gelang es, zahlreiche neue Feuerwehrleute zu gewinnen. Der nun als Löschzug Richterich bezeichnete Standort wuchs in den folgenden Jahren wieder auf mehr als 50 Mitglieder.

Dabei wurde früh erkannt, dass die Zukunft der Feuerwehr nur mit Nachwuchs gesichert werden kann. Die Jugendarbeit gewann zunehmend an Bedeutung. Mitglieder des Löschzugs engagierten sich in der Jugendfeuerwehr und in der Ausbildung der Feuerwehr Aachen. Aus den Reihen des Löschzugs gingen im Laufe der Jahre auch mehrere Menschen hervor, die sich später beruflich für den Feuerwehrdienst entschieden. Das zeigt, wie eng Ehrenamt und professioneller Feuerwehrdienst miteinander verbunden sein können.

Auch die Aufgaben haben sich grundlegend verändert. Feuerwehr bedeutet längst nicht mehr nur, Brände zu löschen. Seit den 1970er- und 1980er-Jahren kamen immer modernere Fahrzeuge und Geräte hinzu. Seit 2000 werden neben Brandeinsätzen zunehmend technische Hilfeleistungen, Großschadenslagen und Katastrophenschutzeinsätze bewältigt. Starkregen, schwere Stürme, Schneeverwehungen und andere Extremwetterlagen stellen die Einsatzkräfte vor neue Herausforderungen. Einsätze führten den Löschzug unter anderem nach Wesel, Köln, Essen und Münster sowie natürlich in die Städteregion Aachen und in die Euregio.

Zum Feuerwehrleben gehört dabei nicht nur der Einsatz. Kameradschaft und Zusammenhalt sind wichtige Grundlagen. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die seit 1978 bestehende Partnerschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenkreuz im Lafnitztal im österreichischen Burgenland. Aus regelmäßigen Besuchen und gemeinsamen Veranstaltungen entwickelte sich über Jahrzehnte eine enge Verbindung. Auch die Teilnahme des Löschzugs Richterich an den Burgenländischen Feuerwehrleistungswettkämpfen war ein Ausdruck dieser internationalen Kameradschaft. Kontakte zu Feuerwehren in Belgien, den Niederlanden und dem Kreis Aachen ergänzen dieses Netzwerk. Bemerkenswert ist auch, wie stark sich die Mitglieder selbst für ihre Feuerwehr eingesetzt haben. Nach Angaben der Festschrift wurden rund 85 Prozent der notwendigen Reparaturen und Renovierungen am Feuerwehrhaus im Laufe der Jahre von den eigenen Mitgliedern durchgeführt.

Heute gehört der Löschzug Richterich zu den traditionsreichsten Feuerwehreinheiten der Stadt Aachen. Sein Zuständigkeitsbereich umfasst Richterich, Uersfeld, Horbach und Huf. Regelmäßige Übungsdienste sichern die Einsatzbereitschaft und sorgen dafür, dass die Kameradinnen und Kameraden mit den technischen und taktischen Anforderungen Schritt halten. Zum Einsatzspektrum gehören Brände ebenso wie technische Hilfeleistungen und größere Schadenslagen. Gleichzeitig engagiert sich die Feuerwehr bei zahlreichen Veranstaltungen im Stadtgebiet.

125 Jahre Feuerwehrgeschichte sind deshalb weit mehr als eine Sammlung von Jahreszahlen, Fahrzeugen und Namen. Sie erzählen von Menschen. Von Generationen, die sich für ihre Mitmenschen eingesetzt haben. Von Zeiten des Krieges und des Wiederaufbaus, von technischen Veränderungen, von personellen Herausforderungen und von immer neuen Aufgaben. Vor allem aber erzählen sie von einem Gedanken, der über alle Veränderungen hinweg Bestand hatte: Wenn jemand Hilfe braucht, muss jemand da sein.

Das Jubiläum ist deshalb nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch ein guter Zeitpunkt, um über die Zukunft nachzudenken. Ehrenamtliches Engagement ist keine Selbstverständlichkeit. Feuerwehrleute haben Familien, Berufe und persönliche Verpflichtungen. Trotzdem nehmen sie sich die Zeit für Ausbildung, Übungen, Einsätze und Kameradschaft. Sie übernehmen Verantwortung für Menschen, die sie oftmals gar nicht kennen.

In einer Zeit, in der Extremwetterereignisse und größere Schadenslagen häufiger in den Blick geraten, gewinnt diese Bereitschaft noch einmal an Bedeutung. Die Feuerwehr ist Teil eines großen Netzes aus Rettungsdiensten, THW, Polizei, Katastrophenschutz und weiteren Helferinnen und Helfern. Jeder Bereich hat seine besonderen Aufgaben – gemeinsam sorgen sie dafür, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Richterich sind daher ein Grund zum Feiern, aber vor allem ein Grund zum Danke sagen. Danke an alle Frauen und Männer, die in den vergangenen 125 Jahren Verantwortung übernommen haben. Danke an diejenigen, die heute ihren Dienst tun. Und Dank an alle Familien, Arbeitgeber und Unterstützer, die diesen ehrenamtlichen Einsatz möglich machen.

Das Jubiläumswochenende am 5. und 6. September verbindet Geschichte und Gegenwart. Am Samstag wird in der Peter-Schwarzenberg-Halle gefeiert, am Sonntag folgt eine Familienveranstaltung mit Mitmachaktionen und Technik. (siehe Plakat)

Möge die Geschichte des Löschzugs Richterich auch in Zukunft von Zusammenhalt, Kameradschaft, Nachwuchs und der Bereitschaft geprägt sein, füreinander einzustehen. Denn wenn die Sirene ertönt, sollte eines immer sicher sein: Es gibt Menschen, die kommen.

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