Aachen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten prägt der Kulturbetrieb das kulturelle Leben der Stadt Aachen. Dabei ist der Kulturbetrieb mehr als eine Verwaltungseinheit. Er bildet das Herzstück für das Zusammenspiel von Kunst, Musik, Literatur, Theater und Geschichte. Ganzjährig strukturiert der Kulturbetrieb das kulturelle Leben und fördert intensiv die freie Kulturszene. Olaf Müller hatte die Möglichkeit, den Weg des Kulturbetriebs von 2007 bis 2025 als Leiter begleiten und gestalten zu dürfen. Irit Tirtey ist die kaufmännische Geschäftsführerin des Kulturbetriebs. Im Gespräch blicken beide zurück – und nach vorne.
„Gegründet wurde der Kulturbetrieb mit dem Ziel, Flexibilität und wirtschaftliche Stabilisierung im Kulturbereich sowie inhaltliche Zusammenarbeit und Koordination zwischen den Kultureinrichtungen zu erreichen. Damit es zum Beispiel keine zwei Ausstellungseröffnungen am selben Tag und zur selben Uhrzeit gibt…“, erklärt Müller den Hintergrund. Über seine Schaffensjahre resümiert er: „Große Meilensteine waren der Aufbau der Route Charlemagne, das Karlsjahr 2014, das Dürer-Jahr, die Karlspreis-Rahmenprogramme, die Übernahme der Stadtbibliothek in den Kulturbetrieb und der Neustart des Stadtarchivs in der Nadelfabrik.“
Seit 1. März 2026 führt Lena tom Dieck die Leitung des Kulturbetriebs in der Nachfolge von Olaf Müller fort.
Erfolge und Herausforderungen
„Wenn man mich fragt, was der größte Erfolg und zugleich die größte Herausforderung für den Kulturbetrieb war, dann ist das eindeutig das Karlsjahr 2014 mit den drei herausragenden Ausstellungen, die 246.000 Personen besucht haben. Das war ein Riesenerfolg für Aachen!“, betont Irit Tirtey und hofft, dass sich solch ein Publikumszuspruch bei anderen Projekten wiederholt.
„Es gab aber auch nicht ganz so spektakuläre und dennoch wichtige Erfolge wie die Ausstellungen „Parallelwelten“, bei denen wir das Suermondt-Ludwig-Museum und das Ludwig Forum gemeinsam vermarktet haben. Das klingt selbstverständlich, war es aber zu dieser Zeit nicht. Die Chorbiennale, die erstmals 2009 stattfand, und ein Ergebnis des Leitprofilprozesses für die Kultur in Aachen war, hat sich verstetigt und findet 2027 zum neunten Mal statt“, betont Irit Tirtey. Erfolge, die nach außen nicht sichtbar werden, aber für die internen Abläufe im Kulturbetrieb von immenser Wichtigkeit sind, waren die Bündelung der Servicekräfte von Technik, Hauswarten und Werkstätten. „Dadurch wird gewährleistet, dass Ressourcen sinnvoll und wirtschaftlich eingesetzt werden. Auch die Gründung des Museumsdienstes als zentralen Dienst für kulturelle Bildung in den Museen hat sich bewährt, wie an den Teilnehmendenzahlen zu erkennen ist. Und außerdem hat der Kulturbetrieb in 20 Jahren die finanziellen Vorgaben der Stadt Aachen immer eingehalten. Ich hoffe sehr, dass dies auch in Zukunft gelingen kann“, betont die Geschäftsführerin.
Für Olaf Müller waren die Erfolge: „Im Gebäudebereich der Aufbau der Route Charlemagne mit dem neuen Stadtmuseum Centre Charlemagne, der Neustart des Internationalen Zeitungsmuseums, die Öffnung des Rathauses als Museum, die Sanierung der Musikschule, die neue Klimatisierung des Suermondt-Ludwig-Museums, der Umzug des Stadtarchivs in die Nadelfabrik.“ Inhaltlich zählt er auf: „Das Karlsjahr 2014, das Schrittmacher-Festival im Theater Aachen und die Sonntagsöffnung der Stadtbibliothek, die Chorbiennale sowie das Wochenende der inklusiven Kultur.“ Schwieriger seien die Rückgewinnung der Besucher nach Corona, die Konkurrenz durch eine zunehmende „Eventisierung“ sowie steigende Ausgaben für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit gewesen.
Entwicklung der digitalen Marke #aachenmachtkultur
Ausgehend von der Dachmarke „Aachen macht Kultur“ hat der Kulturbetrieb für seine einzelnen Geschäftsbereiche zunächst die Internetseiten und Facebook-Auftritte etabliert. Später kam Instagram als zweiter Social-Media-Kanal hinzu. Während der Zeit der Corona-Pandemie hat der Kulturbetrieb städtische Kulturangebote digital erlebbar gemacht. Seit dem Frühjahr 2020 wurde die digitale Marke #aachenmachtkulturonline etabliert. Seit dem Sommer 2021 ist der Kulturbetrieb mit eigenen Kanälen unter dem Namen „aachenmachtkultur“ und mit dem #aachenmachtkultur in den Sozialen Medien auf Facebook und Instagram sowie auf YouTube vertreten. Unter dem Hashtag #aachenmachtkultur kommen seitdem Kunst, Literatur, Musik, Tanz und Theater sowie spannende Blicke hinter die Kulissen der städtischen Kultureinrichtungen und Museen zu jedem interessierten Kulturfreund ins Haus. Interessante Einblicke hinter die Kulissen des Kulturbetriebs gibt es in der Reihe „inside@Kulturbetrieb“ seit 2022 auf YouTube „aachenmachtkultur“ und den zugehörigen Social-Media-Kanälen. Mit der Reihe stellt der Kulturbetrieb regelmäßig die Menschen vor, die in den verschiedenen Geschäftsbereichen Kultur für die Stadt Aachen lebendig machen, sowie die Möglichkeiten, welche die einzelnen Häuser bieten. Porträtiert werden Mitarbeitende von der Museumsschreinerei bis zur Stadtbibliothek, vom Archiv bis zur Theaterbühne. Mit der Reihe „inside@Kulturbetrieb“ setzt der Kulturbetrieb seine erfolgreichen Projekte zur Stärkung der Dachmarke „aachenmachtkultur“ fort und zeigt einmal mehr, wie vielfältig das kulturelle Leben in der Stadt Aachen ist. Seit 2023 gibt es als zusätzliches Werbemittel für die social-media-affine Zielgruppe der Studierenden den sogenannten „KULTUR.ALARM“. Jeweils einmal im Monat erscheint ein Post auf Facebook und Instagram.
„Gemeinsam morgens ins Museum“ ist ein spannendes Angebot, für das Couven Museum, das Ludwig Forum für Internationale Kunst, Centre Charlemagne und Suermondt Ludwig-Museum in Aachen ab 2025 immer dienstags und mittwochs in der Zeit von 10 bis 13 Uhr reserviert sind. Erst danach wird regulär geöffnet. Es beinhaltet Programmpunkte wie Gespräche mit Kuratorinnen und Kuratoren sowie Führungen zu Wunschthemen.
Ein gemeinsames Angebot von Museumsdienst, Stadtbibliothek und den Aachener Museen hat das aufmunternde Motto „Niemals zu alt! Kultur hält jung“. So wird der Kulturbetrieb einer zentralen Aufgabe gerecht, neue Zielgruppen anzusprechen – etwa jene, die manchmal eher wenig Berührung mit Kulturangeboten haben. Hier denkt man seit 2025 verstärkt an ein älteres, aber dennoch sehr kunst- und kulturinteressiertes Publikum. „Viele Seniorinnen und Senioren leben zurückgezogen und sind vielfach nicht mehr mobil“, sagt Irit Tirtey. „Unsere Angebote wirken zugleich der Vereinsamung entgegen.“
„Heute setzt der Kulturbetrieb den kulturellen Qualitäts- und Quantitätsanspruch der Stadt Aachen sehr gut um. Viele Städte in Deutschland beneiden Aachen um die qualitätsvollen Kulturangebote. Das heißt nicht, dass es nicht noch besser werden könnte. Aber grundsätzlich gehen Innovation und Tradition Hand in Hand“, zieht Olaf Müller ein vielversprechendes Fazit mit positivem Blick in die Zukunft. Ihm persönlich lagen stets das gesamte Ensemble der Kunst und Kultur, der Austausch mit der Kulturpolitik sowie die Positionierung Aachens auf der Kulturlandkarte von NRW, Deutschland und Europa am Herzen. „Dies zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen im Kulturbetrieb umsetzen zu können, war mir eine Freude und Ehre in der Stadt, in der ich an der RWTH Aachen meine qualitätsvolle universitäre Prägung erhielt. Aachen ist einfach genial und voller Geschichte, Geschichten, kreativen Menschen und Kultur!“

