Mechernich – Seine Geschichte ist besonders: Der heute 26-jährige Zahir Khan kam im Alter von 15 Jahren alleine aus Afghanistan nach Deutschland – auf der Suche nach Sicherheit, Frieden und einer Zukunft. Heute ist er deutscher Staatsbürger, gelernter Koch und arbeitet im Rathaus-Bistro in Mechernich.
„Dass dieser Weg gelingen konnte, ist nicht nur seiner eigenen Kraft, sondern auch der Unterstützung der Jugendhilfe und seiner langjährigen Betreuerin Kerstin Mitschke zu verdanken“, schreibt der Redakteur Michael Nielen diese Woche im Euskirchener und Schleidener „WochenSpiegel“.
„Als ich Ende 2015 nach Deutschland kam, konnte ich kein Wort Deutsch“, sagte Zahir im Interview. „Man kommt in ein Land, man spricht die Sprache nicht, und dann ist alles schwierig. Aber nach ein paar Jahren hat es geklappt – durch Schule, Freunde und Arbeit.“ Seine Odyssee führte ihn zunächst über die Balkanroute in den Kreis Euskirchen. Dort fand er in einer von Kerstin Mitschke betreuten Wohngemeinschaft ein Zuhause.
Dreier-WG am Bleiberg
Mitschke erinnert sich: „2015/16 herrschte enormer Betreuungsbedarf für die vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Wir haben in Mechernich eine Dreier-WG eröffnet, und Zahir war einer der ersten, die dort einzogen.“ Sie nennt das Vorhaben bis heute „Auswilderungsprojekt“ – ein Ort, an dem Jugendliche lernen konnten, auf eigenen Beinen zu stehen.
Diese „Auswilderung“ immerhin ist nicht nur bei Zahir Khan gelungen, sondern auch bei anderen. Ein wichtiger Schlüssel zu seiner Integration war unterdessen das Kochen. Schon während der Zeit in der Mechernicher Wohngemeinschaft (WG) schnippelten und kochten die jungen Männer zusammen. Zahir: „Bei uns in Afghanistan wird immer viel gekocht und gegessen. Das ist sehr wichtig! Darum habe ich schon früh gedacht: Ich will in die Gastronomie.“ Über ein Schulpraktikum kam er dem Berufswunsch näher: „Ich habe gemerkt: Das ist mein Weg.“
Mitschke erinnert sich: „Die Jungs haben sich in der WG versammelt, zusammen gekocht, gegessen und erzählt. Da konnte man sehen, dass das nicht nur ein Hobby ist, sondern eine Leidenschaft.“ Zahir machte schließlich eine Ausbildung zum Koch, die er erfolgreich abschloss, und arbeitet heute in diesem Beruf. Der Weg war nicht einfach. Sein erster Asylantrag wurde abgelehnt. Als „gut integrierter Jugendlicher“ erhielt er schließlich ein Bleiberecht. „Als ich den Bescheid bekam, habe ich gedacht: Jetzt bin ich wirklich willkommen. Jetzt kann ich hier mein Leben aufbauen.“
Kerstin Mitschke weiß auch um Momente der Diskriminierung, mit denen Zahir umzugehen wusste: „Er hat einen unglaublichen Sinn für Humor und lässt sich von solchen Dingen nicht unterkriegen.“ Auch praktische Herausforderungen wie der Führerschein, waren zu meistern. „Die Theorieprüfung musste ich auf Deutsch machen, weil meine Sprache nicht als Prüfungssprache angeboten wird. Das war hart, aber ich habe es geschafft.“
„Ich wollte mein Leben aufbauen“
Heute lebt Zahir in einer eigenen Wohnung in Euskirchen und ist deutscher Staatsbürger. „Es ist schön hier. Ich wollte Bürger werden, um etwas zurückzugeben und mein Leben hier aufzubauen.“ Für Kerstin Mitschke ist er ein Beispiel von vielen, wie wichtig Jugendhilfe ist: „Viele Menschen kritisieren die Kosten. Aber wenn junge Menschen wie Zahir hier ankommen, eine Ausbildung machen und später Steuern zahlen, dann ist das eine Investition in unsere Gesellschaft.“
In der ersten Septemberwoche findet erstmals eine „Woche der Erziehungshilfe“ statt. Ihr Ziel ist es, auf die Bedeutung dieser Arbeit hinzuweisen und für deren Fortbestand zu werben. Auch die Arbeiterwohlfahrt – Der Sommerberg GmbH, für die Kerstin Mitschke arbeitet, ebnet mit Verselbständigungsangeboten jungen Menschen den Weg in ein eigenständiges Leben. „Die Jugendhilfe ist für uns wie ein Rettungsanker gewesen“, so Zahir Khan. „Sie ist wie eine Familie, die man hier neu findet.“