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IHK Aachen: Regionale Konjunktur verharrt im Dauer-Tief

Die Unternehmen in der Städteregion Aachen sowie in den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg leiden unter der anhaltenden Stagnation. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen zum Jahresbeginn 2026. Die Lage der Betriebe hat sich im Vergleich zur ohnehin schon negativen Herbstumfrage weiter verschlechtert. „Von dem lange ersehnten konjunkturellen Aufschwung sind wir nach wie vor weit entfernt“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer die Ergebnisse zusammen. Der aktuelle Lage-Saldo liegt bei -3 Punkten und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von +22,6 Punkten. Nur jeder vierte Befragte ist mit der derzeitigen Geschäftssituation zufrieden, 28 Prozent berichten von schlechten Geschäften.

Erwartungen auf niedrigem Niveau, kleiner Lichtblick in der Industrie

Auch der Ausblick bleibt verhalten. Der Saldo der Geschäftserwartungen liegt derzeit bei 0 und damit bereits seit vier Jahren nicht mehr im positiven Bereich. Ein Fünftel der Befragten rechnet mit besseren Geschäften, ebenso viele erwarten eine Verschlechterung. Die Mehrheit stellt sich auf ein „Weiter so“ auf niedrigem Niveau ein. Ein kleiner Lichtblick zeigt sich in der Industrie: Hier sind die Erwartungen zum dritten Mal in Folge gestiegen. „Ob aus diesen ersten Signalen ein tragfähiger Aufschwung wird, ist angesichts der externen geopolitischen Spannungen – Kriege, Handelskonflikte, Zölle – völlig offen. Voraussetzung für Aufschwung ist aber auf jeden Fall interner Veränderungswille im Land“, sagt Stefan Kehr, Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Industrie und Technologe.

IHK Aachen: Wirtschaft von Bundespolitik zutiefst enttäuscht

„Die Zeit der Ankündigungen muss ein Ende haben, unsere Wirtschaft braucht jetzt endlich Taten. Das Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz ist seit neun Monaten im Amt und hat noch keine substanziellen wirtschaftspolitischen Impulse gesetzt“, kritisiert Bayer. „Wo ist der wirtschaftspolitische Kompass dieser Bundesregierung?“ Auch Kehr stellt klare Forderungen an die Politik: „Wir fordern wettbewerbsfähige Standortbedingungen, zum Beispiel durch deutlich weniger Bürokratie, schnellere Abläufe und Genehmigungen in der Verwaltung sowie verlässliche Entscheidungen in der Energie- und Steuerpolitik. Wir brauchen eine Haltung für die Wirtschaft, nicht gegen die Wirtschaft. Das, was bislang aus Berlin kommt, ist entschieden zu wenig. Es ist wirtschaftlich und fiskalisch verantwortungslos und damit auch nicht generationengerecht.“

Außenhandel unter Druck, keine Impulse für den Export

Besonders deutlich zeigt sich die Unsicherheit der regionalen Unternehmerinnen und Unternehmer im Außenhandel. Die Hoffnungen auf bessere Auslandsgeschäfte haben sich nicht erfüllt. Die Exportumsätze der Industrie sind rückläufig, der Saldo fällt auf -28 Punkte. Bei fast der Hälfte der befragten Unternehmen ist der Auslandsumsatz gesunken, nur jedes sechste konnte zulegen. Auch bei den internationalen Auftragseingängen überwiegt die Zurückhaltung. Für die kommenden Monate rechnen die Betriebe im Exportgeschäft eher mit einer Seitwärtsbewegung als mit Dynamik: Gleichviele Unternehmen erwarten steigende wie sinkende Ausfuhren.

Erträge sinken, Investitionen werden zurückgestellt

In der Ertragslage spiegelt sich die schwache Konjunktur besonders deutlich wider. Vier von zehn Unternehmen verzeichnen sinkende Erträge, nur 18 Prozent melden Zuwächse. Damit ist die Ertragslage in Summe bereits zum elften Mal in Folge negativ – die längste Durststrecke seit Erfassung der Erträge 1997. Entsprechend zurückhaltend fallen die Investitionspläne aus: Nur ein Fünftel der Befragten will die Ausgaben erhöhen, etwas mehr planen Kürzungen. Jeder achte Betrieb will gar nicht investieren. Seit Herbst 2022 verharrt der Investitionssaldo nahe der Nulllinie.

Arbeits- und Fachkräftemangel nicht mehr das Hauptproblem

Zum achten Mal in Folge melden die Betriebe in der Region per Saldo keine spürbaren Veränderungen beim Personalbedarf. 20 Prozent planen, zusätzliche Mitarbeitende einzustellen, 24 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Der über Jahre dominierende Fach- und Arbeitskräftemangel ist für viele Unternehmen derzeit nicht mehr das vorrangige Thema. Ein Grund dafür ist, dass sich die Beschäftigungslage eingetrübt hat. Die Arbeitslosenquote lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei 7,1 Prozent – so hoch wie seit 2016 nicht mehr. Aktuell liegt sie in der Region Aachen bei 7,1 Prozent – niedriger als in NRW-Schnitt (8,0 Prozent), aber höher als im Bundesdurchschnitt (6,6 Prozent).

Arbeitskosten werden zu größtem Konjunkturrisiko

Der jüngste Anstieg des Mindestlohns hat in vielen Unternehmen spürbare Auswirkungen auf das gesamte Lohngefüge. Die Arbeitskosten werden zunehmend zur Belastung für die Wirtschaft. Inzwischen sehen 59 Prozent der Befragten die Arbeitskosten als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung – so viele wie nie zuvor und deutlich mehr als noch im Herbst (53 Prozent). Ebenfalls 59 Prozent blicken mit Sorge auf eine mögliche Schwäche der Inlandsnachfrage. Den Arbeits- und Fachkräftemangel sehen hingegen deutlich weniger Unternehmerinnen und Unternehmer als in den zurückliegenden Jahren als Herausforderung. 56 Prozent sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein zentrales Risiko.

Geschäftslage und Erwartungen der Befragten im Detail

Die Lage der Industrie hat sich seit Herbst weiter eingetrübt. Nur 17 Prozent der Befragten sind derzeit mit ihren Geschäften zufrieden, 36 Prozent sind es nicht. Die Umsätze sind bei fast der Hälfte der Betriebe gesunken. 7 Prozent mussten bereits Kurzarbeit anmelden, weitere 11 Prozent rechnen in Kürze damit. Die Produktionsauslastung liegt mit 77 Prozent weiterhin unter dem 10-Jahres-Schnitt von 80,3 Prozent. Immerhin bleiben die Erwartungen in der Industrie positiv. Ein Viertel der Befragten rechnet künftig mit besseren Geschäften, jeder sechste mit schlechteren. Auftragseingänge und Exporterwartungen ziehen zwar an, signalisieren aber noch keinen echten Nachfrageaufschwung.

Im Dienstleistungssektor ist die Lage überwiegend gut, allerdings mit rückläufiger Tendenz. Jeder dritte Befragte meldet gute, jeder sechste schlechte Geschäfte. Erstaunlich: 33 Prozent der Betriebe verzeichnen einen Umsatzrückgang. 37 Prozent konnten ihren Umsatz steigern. Die Erwartungen bleiben trotz kleiner Verbesserung negativ: 20 Prozent rechnen mit besseren, 26 Prozent mit schlechteren Geschäften in den kommenden Monaten.

Die Lage im Handel hat sich kaum verändert. 26 Prozent der Betriebe sind aktuell zufrieden, 30 Prozent nicht. Im Einzelhandel laufen die Geschäfte mit einem Saldo von +12 deutlich besser als im Großhandel (-21). Die Erwartungen hellen sich etwas auf, bleiben aber weiterhin verhalten. 14 Prozent der Befragten erwarten in den kommenden Monaten bessere Geschäfte, jeder vierte rechnet mit einer Verschlechterung.

Die Lage im Baugewerbe hat sich stark verbessert und liegt wieder deutlich im positiven Bereich. 44 Prozent melden gute Geschäfte, 15 Prozent schlechte. Dabei sind die Befragten in größeren Betrieben zufriedener als in kleineren. Allerdings steigt die Bauproduktion nur bei 15 Prozent der Betriebe, bei 41 Prozent ist sie sogar gesunken. 20 Prozent haben Kurzarbeit angemeldet, teilweise aus saisonalen Gründen. Trotz der sich abzeichnenden Investitionen in die Infrastruktur haben sich die Geschäftsaussichten im Baugewerbe deutlich verschlechtert. Nur 5 Prozent rechnen mit besseren Geschäften in den kommenden Monaten, 30 Prozent mit schlechteren. Die Befragten rechnen nicht damit, dass die von der Politik angekündigten Infrastrukturmaßnahmen kurzfristig ausgeschrieben und umgesetzt werden.

Geschäftslage und Erwartung in den Teilregionen

Stadt Aachen

Die Geschäftslage der Unternehmen in der Stadt Aachen ist weiterhin positiv. 33 Prozent der Befragten berichten von guten Geschäften, 22 Prozent sind nicht zufrieden. Mit Veränderungen rechnen die Befragten in den kommenden Monaten allerdings kaum: 20 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäfte, 19 Prozent eine Verschlechterung.

Übrige Städteregion Aachen

Im ehemaligen Kreis Aachen hat sich die Situation weiter verschlechtert. Nur 12 Prozent der Befragten melden gute Geschäfte, 29 Prozent sind unzufrieden. Der Blick nach vorne ist zwiespältig: 23 Prozent rechnen mit einer Verbesserung ihrer Lage, ebenso viele gehen von einer Verschlechterung aus.

Kreis Düren

Im Kreis Düren hat sich die Situation deutlich verschlechtert und ist überwiegend negativ. 23 Prozent sind mit dem Geschäft zufrieden, 26 Prozent berichten von einer schlechten Lage. Die Situation wird sich nach Einschätzung der Befragten auch in den kommenden Monaten nicht verbessern: 24 Prozent erwarten eine ungünstige Entwicklung, nur 17 Prozent eine positive.

Kreis Euskirchen

Die Geschäfte der Unternehmen im Kreis Euskirchen haben sich seit dem Herbst weiter verschlechtert und bleiben im negativen Bereich. 26 Prozent sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden, 38 Prozent nicht. Die Mehrzahl der Befragten rechnet jedoch mit einer positiven Entwicklung: 24 Prozent prognostizieren bessere Geschäfte in den kommenden Monaten, 19 Prozent sind skeptisch.

Kreis Heinsberg

Erneut bewertet eine kleine Mehrzahl der Befragten im Kreis Heinsberg die Situation positiv. 31 Prozent melden eine gute Geschäftslage, 28 Prozent sind nicht zufrieden. Die Aussichten haben sich wieder verbessert. 23 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmern erwarten eine günstige Entwicklung in den kommenden Monaten, 19 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.

Bei der aktuellen Konjunkturumfrage hat die IHK Aachen mit den Vereinigten Industrieverbänden von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung e. V. (VIV) kooperiert. Der Konjunkturbericht ist auf der Internetseite der IHK Aachen unter www.ihk.de/aachen/konjunkturbericht zu finden.

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