Im Rahmen des Standortmonitors der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen bewerten rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Industrie, Handel, Gastgewerbe und Dienstleistungsbranchen den Wirtschaftsstandort Euskirchen mit der Gesamtnote 2,8. Zugleich zeigt die Befragung, dass die Zufriedenheit bei zahlreichen wichtigen Standortfaktoren hinter deren Bedeutung zurückbleibt.
Von den insgesamt 31 Standortfaktoren schneiden die Verkehrsanbindung, die Nähe zur Kundschaft und das Naherholungsangebot in Euskirchen besonders gut ab. Verbesserungen erwarten die Befragten hingegen bei der digitalen Infrastruktur, den kommunalen Steuern, Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie der Attraktivität der Innenstadt.
„Euskirchen verfügt über wichtige Standortvorteile und eine hohe wirtschaftliche Dynamik“, sagt Philipp Piecha, Teamleiter Standort und Infrastruktur der IHK Aachen, während der Präsentation der Ergebnisse im Euskirchener Rathaus. „Unser Standortmonitor zeigt aber auch, an welchen Stellschrauben jetzt gearbeitet werden muss, damit die Stadt ihre Entwicklungsmöglichkeiten dauerhaft nutzen kann.“
Die Lage zwischen Aachen, Bonn und Köln sowie die Nähe zur Eifel eröffnen Euskirchen gute Chancen für Industrie, Mittelstand, Dienstleistungen und Handel. Positiv bewerten die Unternehmen die Anbindung an den Schienengüterverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr. Das Naherholungs- und Freizeitangebot der Stadt ist eine weitere Stärke. Die Übernachtungszahlen lagen im vergangenen Jahr 26,3 Prozent über dem Niveau von 2016. Damit verzeichnete Euskirchen ein stärkeres Wachstum als die gesamte Nordeifel, der gesamte Bezirk der IHK Aachen – der neben dem Kreis Euskirchen die Kreise Düren und Heinsberg sowie die Städteregion Aachen umfasst – und ganz Nordrhein-Westfalen.
Dringenden Handlungsbedarf sehen die Unternehmerinnen und Unternehmer bei der digitalen Infrastruktur, die von den Befragten als besonders wichtig eingestuft wird, aktuell allerdings nur die Schulnote 3,5 erzielt. Der Anteil der direkten Glasfaseranschlüsse bei Unternehmen beträgt in Euskirchen derzeit rund 55 Prozent. Im kreisweiten Vergleich liegt die Stadt damit auf Platz 8 von 11.
„Zunächst einmal ist die Gesamtnote aus Sicht der Stadt erfreulich, zeigt sie doch die funktionierende Zusammenarbeit auf und deutet die Vorteile und guten Rahmenbedingungen des Standorts – zum Beispiel günstige Lage, verkehrliche Anbindung, ÖPNV, niedrige Hebesätze und Parkgebühren – zumindest an“, sagt Sacha Reichelt, Bürgermeister der Stadt Euskirchen, und ergänzt: „Die Aussagen aus dem Standortmonitor dürfen uns natürlich nicht überraschen – sonst hätten wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht. Trotzdem schätzen wir den Standortmonitor als eine weitere Möglichkeit, um mit den Vertretern der hiesigen Wirtschaft im Gespräch zu bleiben und kontinuierlich gemeinsam an den besten Lösungen für unsere Stadt zu arbeiten.“
Über ein im regionalen Vergleich großes Angebot verfügt die Stadt Euskirchen im Bereich der Gewerbe- und Industrieflächen: Rund 15 Hektar stehen zur Verfügung, mittelfristig könnten weitere rund 50 Hektar erschlossen werden. Hinzu kommt die „PrimeSite Rhine Region“ zwischen Euskirchen und Weilerswist, die mit insgesamt 205 Hektar Potenzial für industrielle Großvorhaben und interkommunale Gewerbeentwicklung bietet. Gleichzeitig bewerten die Befragten die Miet-, Pacht- und Grundstückspreise in Euskirchen mit jeweils 3,6 kritisch.
Die Euskirchener Innenstadt hat sich nach den Flutschäden dank zahlreicher Wiederaufbaumaßnahmen weiterentwickelt. Begrünte Bereiche, zusätzliche Sitzgelegenheiten und Projekte wie die City Süd setzen positive Impulse. Auch die niedrige Leerstandsquote in den 1a-Lagen der Fußgängerzone spricht für eine solide Ausgangslage. Dennoch sehen die Unternehmerinnen und Unternehmer noch deutlichen Verbesserungsbedarf: Besonders kritisch fällt die Bewertung der Sicherheit in der Innenstadt mit 3,8 aus.
Sowohl der Gewerbesteuer- als auch der Grundsteuerhebesatz sowie die Dauer von Planungs- und Genehmigungsverfahren werden mit der Note 3,8 ebenfalls kritischer bewertet. „Unternehmen brauchen verlässliche und zügige Entscheidungen. Euskirchen sollte alle Möglichkeiten nutzen, Verfahren zu vereinfachen, frühzeitig abzustimmen und konsequent zu digitalisieren“, fordert Piecha.
Auch die Sicherung von Arbeits- und Fachkräften bleibt eine zentrale Aufgabe. Die Unternehmen bewerten sowohl die Verfügbarkeit als auch die Qualifikation von Arbeitskräften mit 3,6. Gute Ansätze bestehen mit dem Berufsbildungszentrum Euskirchen, dem Thomas-Eßer-Berufskolleg sowie den regionalen Hochschul- und Forschungseinrichtungen.
Aus den Ergebnissen des Standortmonitors leitet die IHK Aachen sechs zentrale Handlungsfelder ab. Dazu zählen die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, der Ausbau des Glasfasernetzes und der digitalen Infrastruktur sowie die Weiterentwicklung der Innenstadt mit einem besseren Branchenmix und Leerstandsmanagement.
„Unser Standortmonitor ist kein abschließendes Zeugnis, sondern eine gemeinsame Arbeitsgrundlage für Politik, Verwaltung und Wirtschaft“, betont Piecha. „Euskirchen hat gute Voraussetzungen. Jetzt kommt es darauf an, die vorhandenen Stärken auszubauen und die bekannten Hemmnisse konsequent abzubauen.“

