- Der Aachener Wohnungsmarkt bleibt auch 2026 angespannt. Der langfristige Erhalt und Ausbau bezahlbarer Wohnungen bleiben die wichtigsten wohnungspolitischen Aufgaben der kommenden Jahre.
- Neue rechtliche Möglichkeiten durch den „Bauturbo“, eine breitere Vernetzung über den Aachener Wohnungsgipfel und eine enge regionale Zusammenarbeit sollen Hemmnisse bei der Wohnraumentwicklung abbauen.
- Erstmals ergänzen Fachinterviews mit Beratungsstellen, sozialen Einrichtungen und weiteren Akteurinnen und Akteuren den Wohnungsmarktbericht.
Die strukturelle Anspannung am Aachener Wohnungsmarkt hält weiterhin an. Ein deutliches Ungleichgewicht zwischen einer anhaltend hohen Nachfrage und einem begrenzten Wohnungsangebot hat sich weiter verstärkt. Während die Angebotsmieten im Mietwohnungsmarkt einen neuen Höchststand erreichen, bleibt die Neubautätigkeit hinter dem tatsächlichen Wohnungsbedarf zurück. Der langfristige Erhalt und Ausbau bezahlbarer Wohnungen bleiben die wichtigsten wohnungspolitischen Aufgaben der kommenden Jahre. Dabei gelte es, betont Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons, Prozesse zu beschleunigen, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und als Stadt mutig voranzugehen.
Der städtische Beigeordnete für Wohnen, Soziales und Wirtschaft, Thomas Hissel, erkennt den Ernst der Lage, aber betont: „Die Lage ist angespannt, aber nicht hoffnungslos. Die Nachfrage steigt, die Angebotsseite wächst mit – aber nicht in gleichem Maße. Das hat viele Gründe.“ Hohe Baukosten, gestiegene Finanzierungskosten sowie begrenzte Flächenpotenziale erschweren weiterhin die Entwicklung neuer Wohnungsbauprojekte.
Erneut sind besonders Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen, Alleinerziehende, ältere Menschen und Familien sowie Studierende und Auszubildende betroffen, denen fehlende Angebote gerade im öffentlich geförderten Bereich die Wohnungssuche erschweren. Trotz einzelner positiver Entwicklungen besteht insbesondere im preisgünstigen und mittleren Marktsegment weiterhin ein erhebliches Problem.
Auslaufende Bindungen belasten öffentlich geförderten Wohnungsmarkt
Besonders kritisch entwickelt sich weiterhin der öffentlich geförderte Wohnungsmarkt. Trotz verbesserter Förderkonditionen, erneut hoher Förderzahlen und einer starken Nachfrage nach öffentlichen Fördermitteln können die erheblichen Bindungsausläufe der kommenden Jahre nicht kompensiert werden. Der Bestand öffentlich geförderter Wohnungen nimmt deutlich schneller ab, als neuer Wohnraum geschaffen werden kann. Mehr als 1.000 Wohnungen fielen innerhalb eines Jahres aus der Mietpreis- und Belegungsbindung. Dem gegenüber stehen lediglich 318 neu bewilligte Wohneinheiten. „Das ist, trotz eines Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr, der vierthöchste Wert der vergangenen 20 Jahre“, betont Norbert Plum, Vorsitzender des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses.
Mit dem Quotenbeschluss, der aktiven Wohnungsvermittlung, der Prüfung von Bindungsverlängerungen und dem Handlungskonzept Wohnen verfügt die Stadt Aachen bereits über wichtige wohnungspolitische Instrumente. Diese Ansätze sollen konsequent weiterentwickelt werden. Im Jahr 2025 wurden bereits knapp 68 Millionen Euro Fördermittel im Rahmen der öffentlichen Wohnraumförderung des Landes NRW bewilligt. „Das gelingt nur in enger Zusammenarbeit verschiedener Akteure aus Stadt Aachen, StädteRegion, dem Land, Unternehmen und Investoren,“, sagt Plum.
Aachener Wohnungsgipfel und „Bauturbo“
Im Februar 2026 fand erstmals der „Aachener Wohnungsgipfel“ statt, um den Austausch zwischen Stadtverwaltung und Wohnungswirtschaft zu intensivieren und gemeinsame Ansätze zur Beschleunigung von Wohnungsbauvorhaben sowie zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Wohnraumentwicklung zu erörtern. Der Wohnungsgipfel bildete den Auftakt eines kontinuierlichen Dialogprozesses zwischen Stadtverwaltung und Wohnungswirtschaft. Anregungen seitens der Wohnungswirtschaft wurden von der Verwaltung aufgegriffen und in der praktischen Umsetzung erprobt. Die Stadt Aachen hat als erstes Ergebnis des Wohnungsgipfels zur zielgerichteten Anwendung ein „Steuerungsgremium Bauturbo“ einberufen. Die Novelle des Baugesetzbuchs ermöglicht eine beschleunigte Schaffung von Wohnraum (umgangssprachlich als „Bauturbo“ bezeichnet).
Ein weiterer Ansatz, um den aktuellen wohnungspolitischen Herausforderungen zu begegnen, ist die gemeinsame Bewerbung von Stadt und StädteRegion Aachen für das vom Bund geförderte Forschungsvorhaben „Modellvorhaben der Raumordnung (MORO)“. Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist der Aufbau dauerhafter interkommunaler Kooperationsstrukturen. Zukünftig soll das bestehende kommunale Wissen gebündelt und neues Wissen generiert werden, um es für alle Städte und Gemeinden nutzbar zu machen. Stadt und Städteregion steigen nun in die Verstetigung der Kooperation und Zusammenarbeit ein, mit Blick auf eine euregionale Wohnraumentwicklung.
„Wir wollen den Wohnungsbau in Aachen gemeinsam wieder stärker in Bewegung bringen. Das kann nur im Schulterschluss von Stadt, Wohnungs- und Bauwirtschaft, Investoren und weiteren Partnern gelingen. Mit dem Wohnungsgipfel haben wir diesen Dialog deutlich intensiviert – und daraus entstehen bereits konkrete Schritte. Der Bauturbo des Bundes, die verbesserte Förderkulisse des Landes, unser Turbokonzeptverfahren und die regionale Zusammenarbeit geben uns zusätzliche Möglichkeiten. Viele Projekte sind bereits in der Pipeline. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir in den kommenden Jahren wieder mehr Wohnraum auf den Weg bringen können“, sagt Thomas Hissel
Neue Schwerpunkte im Wohnungsmarktbericht
Während in den vergangenen Jahren vor allem der quantitative Wohnungsmangel im Mittelpunkt des Berichts stand, rücken heute verstärkt qualitative Fragestellungen in den Fokus: „Welche Wohnungen werden benötigt? Welche Bevölkerungsgruppen haben die größten Schwierigkeiten beim Zugang zum Wohnungsmarkt? Wie sieht die Wohnungsmarktsituation für die verschiedenen Menschen aus?“, erklärt Alexandra Weis, Teamleitung Wohnbauentwicklung im städtischen Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration.
Der Wohnungsmarktbericht 2026 setzt deshalb neue Schwerpunkte: Qualitative Fachinterviews mit Akteurinnen und Akteuren, die unterschiedliche Wohnungssuchende unmittelbar begleiten und beraten. Diese neue Perspektive ergänzt die statistischen Analysen um wertvolle Praxiserfahrungen „Die Wohnungsfrage ist damit in vielen Fällen nicht nur eine Frage des Angebots, sondern ebenso eine Frage des Zugangs zum Angebot“, sagt Weis. Dieser Zugang ist längst nicht mehr allein von der Anzahl verfügbarer Wohnungen abhängig. Digitale Bewerbungsverfahren, sprachliche Barrieren, fehlende Netzwerke, bürokratische Anforderungen oder besondere Unterstützungsbedarfe entscheiden zunehmend darüber, ob Menschen tatsächlich eine Wohnung erhalten.
Auch die Betrachtung der Neben- und Betriebskosten erweitert den Blick auf die Bezahlbarkeit des Wohnens. Die sogenannte „zweite Miete“ entwickelt sich für viele Haushalte zu einer immer größeren Belastung. Selbst bei stabilen Kaltmieten können steigende Energiepreise sowie höhere Betriebs- und Dienstleistungskosten die Gesamtwohnkosten erheblich erhöhen.
Studierendenwohnheim in der Karl-Marx-Allee
Das Pressegespräch zum neuen Wohnungsmarktbericht fand Studierendenwohnheim in der Karl-Marx-Allee 220 statt. Im Jahr 2020 wurde zwischen der Stadt Aachen und dem BLB-NRW eine Nutzungsvereinbarung geschlossen, die festlegte, dass an dieser Stelle öffentlich geförderter Wohnraum in Form von Studierendenwohnungen entstehen soll. Seit diesem Jahr ist die Anlage fertiggestellt.
Corinna Kalscheuer vom Projektentwickler ConKav Stadtentwicklung und Projektsteuerung hat die gesamte Genese des neuen Studierendenwohnheims für die Stefan Frey AG begleitet. Das Wohnheim wird als „Plug and Study“-Objekt betrieben. In der anspruchsvollen Architektur sind 233 qualitativ hochwertige und bezahlbare Wohnheimplätze für Studierende mit kompletter Möblierung und wohnlichen Gemeinschaftsräumen entstanden. Und das Konzept funktioniert: „Wir haben im April mit der Vermarktung begonnen und Stand heute sind 203 von 233 Appartements vergeben“, sagt Kalscheuer.
Das Projekt ist auch ein gutes Beispiel für den beschworenen Schulterschluss verschiedener Akteure bei der Wohnraumbeschaffung. „Wir haben mit der Stadt einen Wettbewerb durchgeführt, alle wichtigen Fachstellen der Verwaltung waren beteiligt und das gesamte Verfahren für ein solch großes Projekt ist durch die gute Zusammenarbeit ohne Probleme durchgelaufen“, sagt Kalscheuer. Ein weiteres öffentlich gefördertes Projekt im Konzeptverfahren in Aachen Brand mit Wohnbebauung und einer Kita ist bereits im Bau und soll im Herbst kommenden Jahres fertiggestellt werden.
Planungsgrundlage für verschiedene Wohnungsmarktakteurinnen
Regelmäßig analysiert der Wohnungsmarktbericht des Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration der Stadt Aachen auf breiter Datenbasis Trends und langfristige Entwicklungen auf dem Aachener Wohnungsmarkt. Seine Erkenntnisse eignen sich als verlässliche Planungsgrundlage und dienen der Stadt als Basis zur Entwicklung integrierter Strategien und zur zielgerichteten Ausrichtung wohnungspolitischer Handlungsinstrumente. Grundlage ist hierbei das Handlungskonzept Wohnen, das sich momentan in der Umsetzungsphase befindet.
Wohnungsmarktbericht 2026
Eine gedruckte Ausgabe des Wohnungsmarktberichts 2026 kann beim Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration der Stadt Aachen unter der Telefonnummer 0241/432-56306 oder der Mail-Adresse komwob@mail.aachen.de angefordert werden.
Im Internet ist der Wohnungsmarktbericht unter www.aachen.de/wohnungsmarktbericht zu finden.

