Aachen. An der Anna- und Matthiaskapelle des Aachener Doms haben umfangreiche
Restaurierungsarbeiten begonnen. Vier der markanten Fialen – kleine, spitz aufragende
Sandsteintürmchen auf dem Kapellendach – wurden in der vergangenen Woche mit
Hilfe eines Krans demontiert und vom Dach gehoben. Die filigranen Bauteile sind durch
jahrzehntelange Witterungseinflüsse stark beschädigt, Risse gefährden ihre Stabilität.
Nun werden sie erneuert – und zwar sichtbar für die Öffentlichkeit.
Auf dem Katschhof wurde jetzt die „Junge Dombauhütte“ eingerichtet. Dort arbeiten in
den nächsten Wochen junge Steinmetzgesellinnen und -gesellen mit erfahrenen Fach-
kräften an den neuen Fialen. Besucherinnen und Besucher sind zum Zuschauen einge-
laden und können beobachten, wie aus rohen Steinblöcken kunstvoll gestaltete Bautei-
le entstehen.
Das Projekt knüpft an eine jahrhundertealte Tradition an. Das Bauhüttenwesen gehört
seit 2020 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Mit der „Jungen Dombauhütte“
schafft der Aachener Dom einen außergewöhnlichen Lern- und Arbeitsort, an dem
handwerkliches Wissen generationsübergreifend weitergegeben wird. Im ersten Block,
der sieben Wochen dauern wird, sind zwei junge Steinmetze und eine Steinmetzin an
die Arbeit gegangen.
Betreut wird der Nachwuchs von Steinmetz und Bildhauer Berthold Welter, den Stein-
metzmeistern der Dombauhütte, Markus von den Driesch und Sebastian Kerridge, sowie Dombaumeister Dr. Jan Richarz.
Weitere Schäden am Mauerwerk entdeckt
Die Arbeiten der Jungen Dombauhütte sind Teil eines umfassenderen Restaurierungs-
projekts an der Anna- und Matthiaskapelle, das sich kurzfristig ergeben hat. Bei der Un-
tersuchung des Mauerwerks vom Gerüst aus traten Schäden zutage, die vom Boden aus
zuvor nicht erkennbar waren: Teile des Mauerwerks weisen Risse und Abplatzungen
auf. Stellenweise sind Baldachine und architektonische Gliederungen der Figuren insta-
bil. Zudem müssen die Bleiabdeckungen an der Traufe erneuert werden.
Besonders überraschend war der Zustand des erst rund 20 Jahre alten Fugenmörtels.
Untersuchungen ergaben, dass damals ein Material verwendet wurde, dessen Bestand-
teile bei Feuchtigkeit aufquellen können. Die dadurch entstehenden Spannungen schä-
digen den umliegenden Naturstein und führen langfristig zu Abplatzungen. Um größere
Schäden zu verhindern, werden die Fugen nun großflächig erneuert. Beide Maßnahmen
sollen nach aktuellem Planungsstand im Herbst abgeschlossen sein.
Steinmetz-Handwerk selbst ausprobieren
Wer die Arbeit der Steinmetze nicht nur beobachten, sondern selbst ausprobieren
möchte, kann dies in zwei Workshops der Dombauhütte tun. Die Teilnehmenden erler-
nen unter fachkundiger Anleitung Techniken der Steinbearbeitung und können aus
Tuff- und Sandstein sogenannte Krabben oder andere Formen fertigen.
Die Workshop-Termine:
- Freitag, 24., bis Sonntag, 26. Juli 2026 (Fr, 16 bis 19 Uhr, Sa/So, 10 bis 17 Uhr)
- Freitag, 4., bis Sonntag, 6. September 2026 (Fr, 16 bis 19 Uhr, Sa/So, 10 bis 17 Uhr)
Die Teilnahmegebühr beträgt 140 Euro pro Person. Jeweils acht Plätze sind zu verge-
ben. Werkzeuge und Schutzbrillen werden gestellt. Mitzubringen sind Arbeitskleidung
und festes Schuhwerk.
Anmeldungen sind bis zum 17. Juli möglich per E-Mail: info@aachenerdom.de oder
telefonisch unter 0241 / 47709-142. Die Vergabe der Plätze erfolgt in der Reihenfolge
des Eingangs der Anmeldungen.

